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Der
Teufelskreis: Börsenkrach, Krieg, Zusammenbruch
Wer
aus der Geschichte nicht lernen will, muß sie wiederholen!
Wer heute
frägt, wohin sich unsere Gesellschaft entwickelt, der kommt
um eine gründliche Beschäftigung mit unserer
Vergangenheit nicht herum. Unsere Gegenwart wird dabei von den
Medien als "die Beste aller Welten" gefeiert. Kein
Zeitalter hätte je solch eine "Fortschritt" erlebt
und hätte solch günstigen Zukunftsaussichten gehabt.
Kaum werden dabei allerdings die tieferen Mechanismen unseres
Systems hinterfragt, welche zeigen, daß unsere Gesellschaft
nicht nur vor einem weiten Verfall steht, sondern zum
Zusammenbruch verurteilt und die heutige Welt keineswegs die
"Beste" ist. Ein Rückblick in unsere Geschichte
beweist, daß sich die Vorgänge immer wiederholen und
auch unsere Zeit keineswegs eine Ausnahme darstellt. Dabei
verläuft die Entwicklung immer von einem Boom über den
Crash und die Krise zum Krieg. Die Entwicklung des Geldwesens war
dabei immer die treibende Kraft, welches über Wohl und Wehe
der Menschen entschieden hat.
Das
Zinssystem - ein System mit Verfalldatum
Man kann
sich unser Finanzsystem als eine Art Monopoly Spiel denken, in der
jemand am Anfang durch Zufall gute Bedingungen vorfindet und damit
mehr Geld als die anderen erwirtschaften kann. Dieses Kapital
verleiht er verzinst und wird durch die Rendite noch reicher, kann
deshalb noch mehr verleihen usw. Die anderen im Spiel verlieren
dabei entsprechend an Vermögen und der Konkurrenzdruck unter
den Mitspielern wird dabei immer größer. Dabei
vervielfachen sich die Beträge, welche an die Gewinnerschicht
bezahlt werden sehr schnell: Bei 7% Zins verdoppelt sich die zu
zahlende Zinslast beispielsweise alle 10 Jahre. Sind es heute in
Deutschland 1000 Milliarden DM (Zinsen auf Verschuldung von Staat,
Unternehmen, Privathaushalten und indirekte Zinslast), werden es
in nur 50 Jahren schon 64000 Milliarden und in 100 Jahren 2048000
Milliarden DM als gesamte Zinslast bezahlt werden. Wie sollen
diese Beträge bezahlt werden?
Die
treibende Zerstörungskraft
Wer die
Geschichte verstehen und daraus lernen will, muß deshalb
zuerst die Grundlagen des Geldes erkannt haben. Dabei steht die
Kultur auf der Gesellschaft, die Gesellschaft auf der Wirtschaft
und diese auf der Geldordnung als Fundament. Wenn es also im
Geldwesen Probleme gibt, werden diese sofort auf die Wirtschaft,
die Gesellschaft und die Kultur übertragen. Bricht das
Finanzsystem gar zusammen, muß auch zwangsläufig die
komplette Gesellschaftsordnung zerfallen.
Wer nach
einem beherrschenden Faktor im Geldsystem sucht, findet den Zwang,
eines jeden Wirtschaftsraumes sich zu verschulden. Die Schulden
können nie zurückgezahlt werden, sondern erhöhen
sich jedes Jahr um den Zinssatz. Wichtig ist es hier, nicht nur
die reinen Staatsschulden, sondern auch die Kredite der
Unternehmen und Privathaushalte zu betrachten. Wenn sich
beispielsweise der Staat, wie in Amerika, weniger verschuldet,
wachsen die Kredite bei den Unternehmen umso kräftiger an.
Als Fazit bleibt: Zu allen Zeiten und jedem Ort der Welt, in dem
ein Zinssystem herrschte, explodierte gleichzeitig die
Verschuldung - bis zum Zusammenbruch. Dabei ist der Verlauf im
Zinssystem genau entgegengesetzt einer natürlichen
Entwicklung: Während in der Natur gesundes Wachstum (z.B. das
eines Baumes) zunächst schnell erfolgt, sich dann verlangsamt
und schließlich ganz beendet wird (Abb. 1), ist es im
Zinssystem umgekehrt. Hier beginnt das Wachstum langsam,
beschleunigt sich immer mehr und geht rechnerisch ins Unendliche
weiter. Kennzeichen einer solchen Entwicklung ist, daß sich
z.B. die Schulden, abhängig vom Zinssatz, in gleichen
Zeitabschnitten verdoppeln. Zinseszins heißt, daß die
angefallenen Zinsen auf die Grundverschuldung addiert werden und
im nächsten Jahr mitverzinst werden.
Abb. 1:
Zinswachstum/Natürliches Wachstum
Das
Zinseszinswachstum führt dabei nicht zu einer Stabilisierung,
sondern setzt sich rechnerisch ins Unendliche fort. Wenn solch ein
Zinseszinswachstum in der realen Welt auftritt, bedeutet es stets
einen zerstörerischen Prozeß:
Das
Tumorwachstum beim Menschen etwa folgt einem Zinseszinsprozeß.
Ist anfangs nur eine Krebszelle vorhanden, so teilt sich diese und
es entstehen 2 Tumorzellen. Diese teilen sich wieder und es werden
4, dann 8, 16 usw.. Bis schließlich der ganze Körper
vom Krebs zerfressen ist und der Mensch zugrunde geht!
Ähnlich
bei einer Lawine: Rollt am Anfang nur ein Eiskristall, so stößt
dieses ein weiteres an, diese nochmals andere, bis am Ende der
ganze Berg herunterkommt und alles im Weg Stehende zerstört.
Auch die
Entwicklung einer Atombombenexplosion folgt einer Zinseszinskurve:
Ein Atom wird durch Neutronenbeschuß gespalten und setzt
wieder zwei Neutronen frei, welche nochmals je ein Atom spalten
können. Am Ende kommt es zur gewaltigen nuklearen Explosion.
Jedes
System, welches auf einem exponentiellen Zinseszinsmechanismus
basiert, muß aus diesem Grund zusammenbrechen. Die Endphase
ist in der Regel immer mit einem boomenden Börsenmarkt
verbunden, weil das schnell zunehmende Zins-Kapital nach neuen
Anlagemöglichkeiten drängt. Ein Crash mit einer
Wirtschaftskrise ist dabei die unmittelbare Folge. An die
Wirtschaftskrise schließt sich oft ein Krieg an, in welchem
durch die Zerstörungen wieder renditeträchtige
Anlagemöglichkeiten für das Zinskapital ergeben.
Mit diesem
Hintergrund läßt sich der Ablauf der Geschichte
verstehen und sich sogar Szenarien für die Zukunft
entwickeln. Es wird deutlich, das die Entwicklung immer nach dem
selben Muster verläuft. Sehen wir uns deshalb den Verlauf der
letzten 130 Jahre an:
Die
Wirtschaftskrise 1873 - von der Gier zur Krise
Ein gutes
Beispiel für ein Zinssystem in der Endphase ist die
Gründerzeit um 1870. Unternehmen wurden durch massive
Verschuldung gegründet und in Aktiengesellschaften
umgewandelt. Die Betriebe waren dabei völlig überbewertet,
was daran deutlich wurde, daß der Aktienwert oftmals das
doppelte oder dreifache des realen Firmenwertes betrug. Dadurch
konnte ein Aktienboom ausgelöst werden, dem immer mehr
Menschen erlagen. Zum guten Teil wurde dabei die Gier des Menschen
nach Reichtum von cleveren Geschäftemachern geschickt
ausgenutzt, um kritisches Denken auszuschalten. Um die Anleger
anzulocken, wurden bezahlte Personen damit beauftragt, ein reges
Gedränge vor der Ausgabestelle vorzutäuschen.
Gleichzeitig brachte die Presse Berichte über eine vielfache
Überzeichnung der Aktien. In der Masse entstandt dadurch der
Eindruck, daß tatsächlich ein große Interesse an
den Aktien bestehen würde. Durch solche Tricks konnte die
Entwicklung weiter angeheizt werden und in den Jahren 1871 und
1872 erschien an der Börse in Berlin praktisch jeden Tag ein
neues Unternehmen auf dem Kurszettel. Die Entwicklung war mit
einem steilen Anstieg der Wohnungspreise verbunden, da von der
reichen Oberschicht vermehrt Immobilien nachgefragt wurden. Die
Entwicklung endete im März 1873 im Zusammenbruch, der die
Bevölkerung in bittere Armut stürzte. Hunderttausende
verloren ihre Existenzgrundlage, als die Kurse abstürzten.
Die Aktienkurse lagen im Jahr 1876 nur noch halb so hoch als
während des Booms 1873. Auch der Immobilienboom verdrehte
sich ins Gegenteil und unzählige Wohnungen standen leer, weil
viele Hausbesitzer ihre Kredite nicht zurückzahlen konnten.
Der Börsencrash wirkte sich auf die ganze Wirtschaft als
Deflation aus: Niemand wollte mehr investieren, niemand konnte
etwas kaufen. Die Firmen blieben auf ihren Waren sitzen und mußten
die Preise reduzieren. Löhne und Gehälter wurden im
weiteren Verlauf gekürzt. Diese bis damals größte
Wirtschaftskrise dauerte 23 Jahre und endete um die
Jahrhundertwende in einer Zeit, in der sich Wirtschaftseinbrüche
und Boom abwechselten. Dabei verschuldeten sich die Staaten im
Kampf um Rendite immer weiter, was letztlich im Ersten Weltkrieg
endete.
"Der
heute herrschende Kapitalismus in der Gesellschaft bedeutet ewigen
Krieg. ... Die Kriege sind Lösungsversuche wirtschaftlicher
Fragen in kapitalistischem Sinne. ... Die entscheidende Frage der
Friedensbewegung lautet: Wird es gelingen, den heute herrschenden
Kapitalismus aus der Gesellschaft zu beseitigen? ...Bleibt aber
das kapitalistische Erwerbssystem herrschend, dann müssen die
Zeiten der ewigen Kriege fortdauern trotz aller
Friedenskonferenzen." Prof. Ruhland, System der
politischen Ökonomie, 1908
Der
Erste Weltkrieg - der Zinskapitalismus fordert seine Opfer
Besonders
die Deflation von 1912 wirkte sich katastrophal auf die
Lebensumstände der Menschen aus. Die Staaten waren zu dieser
Zeit so hoch verschuldet, daß beispielsweise Deutschland
allein für seine Eisenbahnanleihen mehr Geld aufwenden mußte
als für das ganze hochgerüstet Heer. Insgesamt war die
finanzielle Situation der meisten Staaten damals sehr angespannt,
deshalb versuchte jede Nation möglichst große
Weltmarktanteile für sich zu beanspruchen, um die wachsenden
Zinslasten tragen zu können. Damit entwickelte sich ein
Konkurrenzkampf, welcher im Ersten Weltkrieg endete.
Wer das
zinskapitalistische System durchschaut hatte, konnte schon lange
vor dem Ersten Weltkrieg die Ereignisse vorhersagen. So rechnete
der Professor für politische Ökonomie, Ruhland bereits
1908 die Vermögenskonzentration durch den Zinseffekt aus und
kam zum Ergebnis, daß eine Katastrophe absehbar wäre:
Die im Jahr 1870 mit 15 Mio. Mark Kapital gegründete Deutsche
Bank wuchs bis 1908 auf ein Vermögen von 150 Mio. Mark, im
ganzen Syndikat sogar 3 Mrd. Mark, an. Bei Beibehaltung dieser
Steigerungsrate würde spätestens nach 10 weiteren Jahren
das gesamte Volksvermögen von 150 Mrd. Mark der Deutschen
Bank gehören. Doch dazu kam es nicht mehr - Ruhland sah
bereits, 6 Jahre vorher, den Ersten Weltkrieg voraus:
"Bei
der nur zu oft maßlosen Inanspruchnahme des Kredits
vollzieht sich hier mit Hilfe des Bank- und Börsenkapitals in
einer anscheinend planvollen Weise eine nationale wie
internationale Verkettung der Privatunternehmungen, die in unserem
Kriegszeitalter uns eines Tages einer Krise entgegen zu führen
droht, wie sie kaum in der Geschichte der Völker schon erlebt
wurde." Durch den Ersten Weltkrieg wurden bereits die
Vorbedingungen für einen erneuten Waffengang geschaffen, da
das durch den krieg angehäufte Schuldenkapital eine weiter
steigende Verzinsung erforderte.
Hyperinflation
1923
Durch
Zinszahlungen und Schuldentilgung, wegen Reparationszahlungen nach
dem Ersten Weltkrieg, war der Haushalt der deutschen
Reichsregierung Anfang der zwanziger Jahre stark angespannt. Die
Regierung versuchte mit immer höheren Reichsbankkrediten und
Betätigung der Notenpresse der Lage Herr zu werden. Das
Giralgeld wuchs auf 500 Trillionen Mark, das umlaufende Bargeld
auf fast dieselbe Menge. 300 Papierfabriken und 150 Druckereien
waren mit der Herstellung von Banknoten beschäftigt. Die
Kaufkraft des deutschen Geldes sank ins Bodenlose, der Kurs zum
Dollar stieg steil an. Die Reichsbanknoten wurden mit immer
höherem Nennwert ausgegeben. Es setzte eine Flucht in Dollar,
Sachwerte und Immobilien ein. Die Geschäftsinhaber brachten
ihr Geld schnellstmöglich auf die Bank und tauschten dieses
in Fremdwährungen um. Wegen des schnellen Preisverfalls wurde
der Lohn zweimal täglich ausgezahlt. Schnell verlor das Geld
seine Zahlungsmittelfunktion gänzlich, und es wurde mit
Naturalien bezahlt. Die Hyperinflation kann dabei als unmittelbare
Folge der Schulden aus den Reperationsforderungen an Deutschland
nach dem Ersten Weltkrieg gesehen werden.
Währungsreform
1923 - nichts aus der Geschichte gelernt
Nach der
Hyperinflation 1923 erfolgte am 15. November 1923 eine
Währungsreform. Dabei wurde eine Billionen Papiermark in 1
Rentenmark umgetauscht. Der Wechselkurs zum Dollar wurde auf 4,2
Rentenmark = 1 Dollar festgesetzt. Bei der Rentenmark handelte es
sich um ein Übergangsgeld, welches am 30. August 1924 von der
goldgedeckten, frei konvertierbaren Reichsmark abgelöst
wurde. Gerade jedoch diese Golddeckung sollte sich im weiteren
Verlauf als sehr fatal herausstellen. Nach der Währungsreform
ergab sich eine kurze Phase der scheinbaren Stabilität. Doch
auch die Währungsreform von 1923 schaffte keine stabile
Währung, sondern legte nur den Grundstein für eine noch
viel schlimmere Krise - die Deflation. Dabei wird heute immer noch
der verbreitete Fehler gemacht, die Inflation der zwanziger Jahre
mit der viel schlimmeren Deflation der dreißiger Jahre zu
verwechseln.
Die
Deflation 1930
Nach dem
Ersten Weltkrieg war eine massive Verschuldung Deutschlands in den
USA aufgebaut worden. Dabei nahmen die Banken kurzfristige Kredite
in Amerika, um das Geld langfristig zu verleihen. Wenn der
Rückzahlungstag kam, wurden neue, wieder kurzfristige,
Kredite genommen. Ab 1927 kam es zu ersten Krisenerscheinungen.
Der Zahlungsmittelumlauf ging stetig zurück, es folgten
Konkurse, verbunden mit wachsender Arbeitslosigkeit. Im Jahr 1930
erreichte die ausländische Verschuldung mit 22 Milliarden
Mark einen Höhepunkt. Davon waren die Hälfte
kurzfristige Schulden. Richtig bedrohlich wurde die Situation
jedoch erst nach dem Börsencrash von 1929 an der Wall Street.
In der Krise wurden die Kredite zunehmend zurückgezogen und
deutsches Währungsgold floß nach Amerika. Der
Zusammenbruch der Österreichische Kreditanstalt am 11. Mai
1931 verursachte eine weltweite Angst um Kapitalanlagen in
Deutschland. Die Folge war eine Kapitalflucht und innerhalb
weniger Wochen büßte die Reichsbank Gold und Devisen im
Wert von 2 Milliarden Reichsmark ein. Ab Juli 1931 zog sich das
Geldkapital vom Markt massiv zurück, da ausländische und
deutsche Kunden ihr Geld von den Bankkonten abhoben. Durch den
Goldstandard war die Notenbank dazu verpflichtet, 1/3 des
ausgegebenen Geldes als Golddeckung zu deponieren. Da innerhalb
der Krise Gold aus Deutschland abgezogen wurde, mußte die
Reichsbank die dreifache Menge an Geld einziehen, um die Deckung
aufrechtzuerhalten. So breitete sich über den Goldstandard
die Krise in Amerika auf die ganze Welt aus, da die meisten Länder
ihre Währung an das Edelmetall gekoppelt hatten. Durch diesen
Effekt wurde einmal die Deflation durch den Einzug des
Tauschmittels Geld immer weiter verschärft und zum zweiten
konnte die Notenbank keine eigenständige Politik betreiben,
um die Krise zu bewältigen. Interessant ist in diesem
Zusammenhang des Ablauf des Börsenkraches in Amerika, der
diese Entwicklung einleitete, genauer zu betrachten.
Der
Börsenkrach 1929
Wie wir
gesehen haben, geht einem wirtschaftlichen Zusammenbruch in der
Regel ein Börsenanstieg voran, welcher dann abprupt abbricht.
Solange dieser scheinbare Aufschwung anhält, sehen die
meisten Menschen nicht, daß dieser Effekt bereit das
Endstadium im zinssystem andeutet. So glaubte die Bevölkerung
damals vor allem in den USA tatsächlich an einen ewigen
Wohlstand. Die Börsenkurse begannen ab 1924 zu steigen und im
Jahre 1927 erreichte die Spekulation ein deutliches Ausmaß.
Weil die Kurse scheinbar unaufhörlich kletterten, erfaßte
das Spekulationsfieber weite Bevölkerungsteile. Im Januar
1928 erklärte der Präsident sogar, es bestehe kein Anlaß
zur Sorge, da die Börsenkredite nicht zu hoch seien.
Vorausschauende Der Zuwachs wurde mit der Verbreitung von
Radioapparaten und Autos begründet. Durch den Aktienanstieg
dieser Unternehmen wurde der Boom an der Börse eingeleitet.
Rückschläge ignorierten die Anleger einfach und in den
Nachrichten erschienen Börsenmeldungen an erster Stelle. Doch
weiterhin war eine Verharmlosung der Entwicklung von offizieller
Seite zu vernehmen. Herbert Hoover erklärte beispielsweise in
seiner Rede zur Nominierung als republikanischer Kandidat, daß
Amerika kurz vor dem endgültigen Sieg über die Armut
stehe - das Armenhaus werde verschwinden. Inzwischen versuchte die
Federal Reserve Bank die Kreditausweitung für Aktienkäufe
zu beschränken, indem langfristige Kredite hierfür
gesperrt wurden. Die Anleger stiegen deshalb fatalerweise auf die
noch riskantere kurzfristige Verschuldung um, wobei die Zinssätze
schnell von 12 auf 20% stiegen. Wie heute, so glaubten die
Amerikaner damals, daß es nur darauf ankomme, bei
Kursverlusten nicht zu verkaufen, da der Rückgang schnell
wieder aufgeholt werde. Von offizieller Seite wurde die
Spekulation immer weiter angeheizt: Zunehmend widersprachen sich
die Experten bezüglich der weiteren Wirtschaftsentwicklung.
Ängste wurden jedoch weiterhin beruhigt. So hielt zum
Beispiel Professor Irving Fisher noch am 17. Oktober 1929 eine
Ansprache, in der er betonte, daß in wenigen Monaten der
Aktienmarkt eine noch bessere Anlage, höher als heute sein
werde. Es gab keine Erholung mehr und am 22. Oktober begannen die
Kurse ohne Grund plötzlich zu fallen. An diesem Tag hatte die
Weltwirtschaftskrise begonnen und die Börsenkurse verloren
innerhalb weniger Jahre über 90%. Deshalb brach die Kaufkraft
der Bevölkerung ein und Unternehmens- und Bankpleiten
vernichteten das Vermögen der Sparer. Das Geldkapital zog
sich, wegen steigender Unsicherheiten, aus der Wirtschaft zurück,
was einen starken Abfall des Preisniveaus nach sich zog. Weil die
Preise verfielen (Deflation), ging sofort der Absatz von Gütern
zurück, weil jeder auf noch günstigere Preise wartete
und seinen Kauf verschob. Damit kamen die Unternehmen in
Bedrängnis und waren gezwungen Arbeitskräfte zu
entlassen, womit die Kaufkraft noch mehr einbrach. Zunehmend
mußten Banken schließen, da Kredite uneinbringbar
waren. Die Lage endete in einer hoffnungslosen Situation. In
diesem Umfeld entwickelte sich, wie vor dem Ersten Weltkrieg,
wieder weltweit eine gespannte Situation, welche im Zweiten
Weltkrieg gipfelte.
Massiver
Einbruch des Volkseinkommens/Investitionen durch die
Wirtschaftskrise
"Die
großen Kämpfe der neueren Zeit sind gegen Wunsch und
Willen der Regierenden entbrannt. Die Börse hat in unseren
Tagen einen Einfluß gewonnen, welcher die bewaffnete Macht
für ihre Interessen ins Feld zu rufen vermag... "
Generalfeldmarschall Graf von Moltke (1800-1891)
Zinsgeld
- Die Ursache des Krieges
Um dem
Zusammenbruch durch Überschuldung soweit wie möglich
hinauszuschieben, sind die Staaten gezwungen, ihre Exportrate, zu
Lasten anderer Nationen, zu steigern. Die Exportquote von
Deutschland steigt beispielsweise ständig und soll im Jahr
2000 den Rekordwert von über einer Billionen D-Mark
erreichen. Die anderen Staaten steigern ihre Ausfuhren ebenfalls,
womit der Konkurrenzdruck schnell zunimmt. Die internationalen
Spannungen steigen deshalb immer weiter an, bis zum bewaffneten
Konflikt. So gab es vor dem Ersten und zweiten Weltkrieg jedes mal
eine Explosion der Exportrate. Dabei verläuft die Entwicklung
zwangsläufig: Solange die Wirtschaft schneller wächst
als der Kapitalanteil, wenn also der Zinssatz kleiner ist als die
Wachstumsrate, sind die Mißstände nur verborgen
vorhanden. Sobald jedoch das Wachstum der Ökonomie an Grenzen
stößt, beansprucht der Kapitalanteil einen immer
größeren Teil des Volksvermögens. Es kommt zur
schnellen Vermögensverschiebung durch den Zinseffekt. Die
Schwierigkeiten nehmen immer größere Ausmaße an.
Schließlich zieht sich das Kapital aus der Wirtschaft
zurück, weil die Mindestverzinsung nicht mehr sichergestellt
ist. Die entstehende Deflation führt zu großer Not und
Unruhen. In einem Krieg wird letztlich das Sachkapital vernichtet
und mit dem Aufbau fängt die Entwicklung von vorne an - bis
zum nächsten Krieg.
Der
Zweite Weltkrieg - Folge der Weltwirtschaftskrise
Nach einer
Krise ist ein Krieg meist die logische Folge, da die gestiegenen
Zinslasten kaum noch von einem Staat aufzubringen sind und Geld
erst wieder investiert wird, wenn eine anlaufende
Rüstungsindustrie wieder rentable Anlagemöglichkeiten
bietet. Dies wird daran deutlich, daß die
Weltwirtschaftskrise in den dreißiger Jahren erst mit Beginn
des zweiten Weltkrieges beendet wurde. (Abb. 2)
Abb. 2:
Konjunkturzyklen in den USA
Durch den
Weltkrieg wurde also die Deflation beendet, da jetzt wieder
rentable Anlagemöglichkeiten in der Rüstungsindustrie
vorhanden waren. Der Krieg zerstört auch genug Realkapital,
wie Häuser, Fabriken und Maschinen, womit der Bedarf für
Kredite wieder ansteigt. Durch die größere Nachfrage
nach Geld gehen auch die Zinsen nach oben, womit es sich für
den Geldausleiher wieder lohnt sein Kapital für die
Wirtschaft zur Verfügung zu stellen. Damit wird die
Investitionsquote erhöht, allerdings erst wenn die Zerstörung
ein ausgiebiges Niveau erreicht hat. Der Krieg dient im Prinzip
dazu, das zusammengebrochene Zinssystem wieder zum Laufen zu
bringen. Wie der bewaffnete Konflikt im Detail verläuft ist
in diesem Zusammenhang zweitrangig. In Deutschland sank das
Volkseinkommen von 1928 bis 1932 um 40%, die privaten
Bruttoinvestitionen sogar um 75%. Die wirtschaftlichen Aussichten
verdüsterten sich zunehmend, die Arbeitslosenzahl stieg. In
dieser Situation konnte sich die radikale NSDAP von einer kleinen
Splitterpartei parallel zur Zahl der Arbeitslosen zur größten
Partei aufschwingen. (Abb. 3)
Abb. 3:
Entwicklung der Arbeitslosen/NSDAP Stimmen in der Deflation
Ein gutes
Beispiel dafür, daß Kriege mit unserem Zinskapitalismus
zusammenhängen, zeigt die Entwicklung der Staatsverschuldung
(Abb. 4). Durch den Zins steigert sich die Verschuldung eines
Staates, wie schon gezeigt, immer mehr. Jedes Land muß sich
dabei immer weiter verschulden, schon allein, damit das durch den
Zins verminderte Geldkapital wieder in den Wirtschaftskreislauf
kommt. Da aber mit zunehmender Zeit die Zinslasten immer größer
werden, ist der Staat letztlich dazu gezwungen, entweder eine
Wirtschaftskrise in Kauf zu nehmen oder durch Eroberungen im
Ausland zu versuchen, Kapital für die Bedienung der Schulden
zu erobern.
Abb. 4:
Staatsverschuldung
Währungsreform
1948 - die gleichen Fehler werden wieder gemacht
Die
Einführung einer neuen Währung startet nach einem krieg
wieder einen neuen Zyklus im Zinssystem, wobei es etwa 2
Generationen bis zum neuen Zusammenbruch dauert. Nach dem Zweiten
Weltkrieg war die Wirtschaft in Deutschland weitgehend zerstört.
Das Geld hatte seinen Wert durch Inflation und Kriegszerstörung
verloren. Deshalb waren die Preise größtenteils
staatlich festgelegt. Weil sich die Produktion unter diesen
restriktiven Bedingungen nicht lohnte, reduzierte sich das Angebot
weiter und es bildete sich ein Schwarzmarkt mit hohen Preisen.
Unter Führung der USA entschlossen sich die Westmächte,
im Westsektor eine neue Währung zu begründen, welche
wieder die Tauschmittelfunktion übernehmen könnte.
Erstaunlich war, daß die neuen Geldscheine ab November 1947
nicht in Europa, sondern in den USA gedruckt und vom 11. bis 15.
Juni heimlich auf die elf Landeszentralbanken verteilt wurden. Die
Aktion verlief weitgehend im geheimen, da erst am Abend des 18.
Juni 1948 die Einzelheiten des Geldumtausches bekanntgegeben
wurden. Es bestand also keine Möglichkeit für die
Sparer, sich auf den Währungsschnitt einzustellen. Ab dem 20.
Juni 1948 war die Reichsmark plötzlich ungültig, womit
auch alle Schulden des Reiches erloschen. Die Anleger, welche ihr
Vermögen dem Staat anvertrauten, mußten deshalb
kräftige Verluste verbuchen. Hier zeigte sich der Nachteil
von Geldforderungen gegenüber Bargeld, da Bargeld deutlich
leichter und zu besseren Konditionen umgetauscht werden konnte.
Sechzig D-Mark wurden für jeden Einwohner im Austausch von
sechzig Reichsmark abgegeben. Fatalerweise hatte auch diesmal
niemand aus der Geschichte und damit dem Geldwesen gelernt, da es
sich gar nicht um eine Währungsreform, also die Einführung
eines wirklich anders funktionierenden Geldes, sondern um einen
Währungsschnitt, also den Ersatz des vorher gescheiterten
Geldes gegen ein genauso falsch konzipiertes Kapital handelte. Die
Folgen dieses Fehlers brauchen dabei immer einige Jahrzehnte bis
sie, wie in unserer heutigen Zeit, sichtbar werden. Aus den
Erkenntnissen der Vergangenheit lassen sich heute die gleichen
prinzipiellen Abläufe wieder feststellen, welche zum
Zusammenbruch führten, wie beispielsweise der krankhafte
Börsenboom.
Das
Endstadium - die Geschichte wiederholt sich
Prinzipiell
wiederholt sich heute der geschichtliche Ablauf eines zerfallenden
Zinssystems. Ein sicheres Zeichen für das Endstadium in dem
sich unser System befindet, sind die explodierenden Aktienkurse.
Im Dezember 1999 waren die Wertpapiere weltweit erstmals mehr Wert
als die ganze globale Wertschöpfung. Inzwischen dient nur
noch 1 Prozent des täglichen Devisenumlaufs von 2000 Mrd.
Dollar täglich dazu, um Waren und Dienstleistungen
auszutauschen, der Rest ist Spekulationskapital, auf der Suche
nach immer größerer Rendite. Entsprechend der
Zinseszinsrechnung explodiert die Verschuldung. Der Staat, die
Unternehmen und die Privathaushalte haben inzwischen einen
Schuldenberg von 10000 Mrd. Mark (ausgeschrieben:
10.000.000.000.000 DM !)aufgetürmt, der in dichten 1000 DM
Scheinen gepackt eine Höhe von über 1000 km erreichen
würde. Wer glaubt eigentlich noch, daß diese Schuld je
wieder gewaltlos abgetragen werden kann, wenn allein jedes Jahr
über 1000 Mrd. DM an neuen Zinslasten anfallen? Durch das
Zinssystem hat sich das den Schulden entsprechende Geldvermögen
in so wenigen Händen konzentriert, daß knapp 400
Milliardäre weltweit mehr besitzen als das halbe Einkommen
der Weltbevölkerung jährlich. Wie bisher immer in der
Geschichte werden sich die Ungleichgewichte in immer kürzeren
Zeitabständen aufschaukeln, bis das System zerfällt.
Dabei ist jeder Zusammenbruch größer als der
vorhergehende. Der kommende Crash wird deshalb bedeutend mehr
Unheil stiften, als die große Depression 1929. Ein Krieg ist
dabei sehr schnell denkbar, wenn ein hochgerüstetes Land
unter seinen Zinslasten zusammenbricht und keine andere
Möglichkeit mehr sieht, als das Waffenpotential zu nutzen. In
unserer hochverschuldeten Welt wird es, wie schon in der
Vergangenheit, für die Nationen immer schwerer in einem
härter werdenden Wettbewerb die geforderte Rendite zu
erwirtschaften. Schon allein dadurch muß das
Konfliktpotential ansteigen. Verschlimmert wird die Situation
durch einen fatalen Fehler: die Einführung des Euros.
Der
Euro - das Ende von Europa
Die
Einheitswährung läßt sich im Prinzip mit dem
Goldstandard der dreißiger Jahre vergleichen, welcher zu
einer schnellen Ausbreitung der Wirtschaftskrise aus den USA über
die ganze Welt verantwortlich war. Durch die Festlegung von
Wechselkursen, wurden wirtschaftlich völlig ungleichartige
Staaten aneinandergekettet. Kein Land kann mehr seine eigene, ihm
angepaßte Geldpolitik betreiben, sondern muß sich den
Entscheidungen der Europäischen Notenbank fügen. In der
Krise wird es dann unmöglich sein, daß sich ein Land
wenigstens teilweise aus dem Sog der Abwärtsspirale
heraushält. Auch die EZB selbst stellte schon fest, daß
durch die Einführung des Euros die Systemstabilität und
die Sicherheit erheblich abgenommen hat. Angesichts dieser
hoffnungslosen Lage könnte man fast verzweifeln und der
Wiederholung des geschichtlichen Ablaufes zusehen. Doch waren
nicht alle Zeiten so aussichtslos und finster wie unsere heutige.
Kaum bekannt ist, daß beispielsweise das Zeitalter der Gotik
grundsätzlich fortschrittlicher war und bessere
Entfaltungsmöglichkeiten geboten hat, als unsere Zeit.
Das
Goldene Mittelalter - bessere Lebensbedingungen als heute
Das
Hochmittelalter war die größte Entwicklungsperiode der
deutschen Geschichte. Damals waren die sozialen Unterschiede so
ausgeglichen wie nie mehr im historischen Verlauf. Wer viel hatte,
erwarb den Wohlstand durch Arbeit, nicht durch leistungslose
Zinsen. Das Minimum der arbeitsfreien Tage pro Jahr lag bei 90,
oftmals über 150. Sehr bald wurde auch der Montag als
arbeitsfrei eingeführt, damit mußten die Handwerker nur
4 Tage in der Woche arbeiten. Noch am Ausgang dieses Zeitalters,
um 1450, konnte Erzbischof Antonin von Florenz es als
selbstverständlich bezeichnen, daß für die
Gewinnung des notwendigen Lebensunterhaltes eine kurze Arbeitszeit
genüge und daß nur derjenige lange und viel arbeiten
müsse, der nach Reichtum und Überfluß strebe. Die
tägliche Arbeitszeit war z.B. bei Bergwerksknappen in
Freiburg auf 6 Stunden begrenzt. Auch auf dem Land war die
Ausbeutung zurückgedrängt, weil der geknechtete Bauer
die Möglichkeit hatte, in den schnell wachsenden Städten
einem Handwerk nachzugehen. Das Einkommen war so hoch, daß
sich etwa in Augsburg ein Tagelöhner mit seinem täglichen
Verdienst 5-6 Pfund des teuersten Fleisches leisten konnte. In
Meißen mußten jedem Maurergesellen wöchentlich 5
Groschen Badegeld gegeben werden, in einer Zeit, in der ein
einziger Scheffel Korn 6 Groschen und 5 Pfennige kostete. Der
sächsische Scheffel faßte 103,8l. Im Vergleich mit
unserer Zeit, in der die Freizeit immer enger beschnitten wird und
der Druck am Arbeitsplatz unerträglich zu werden droht, war
das Hochmittelalter, mit der größten Kulturblüte
unserer Geschichte ein richtiges Paradies.
Das
goldene Mittelalter - durch zinsfreies Geld
In der
Zeit von 1150 bis 1450 gab es in Mitteleuropa eine krisenfreie
Zeit, welche durch eine geniale zinsfreie Währung erreicht
wurde: Um 1150 begann Erzbischof Wichmann (1110-1192) aus
Magdeburg damit, Münzen herauszugeben, welche zweimal im Jahr
zum Umtausch aufgerufen wurden. Ziel war es, die Steuern einfach
und regelmäßig einzutreiben. Dabei wurden 12 alte
Pfennige gegen 9 neue ausgetauscht, die Differenz war Steuer. Um
die Münzen schnell und ohne viel Aufwand wieder einschmelzen
und umprägen zu können, waren sie nur einseitig geprägt
und aus dünnem Blech, daher ihr Name "Brakteaten"
(bractes = dünnes Blech). Bald schon breitete sich diese
Methode über das ganze Land aus. Das führte dazu, daß
sich Geldhortung nicht mehr lohnte. Um dem nächsten Umtausch
zu entgehen, wurde Geld zinslos weiterverliehen, da nur der
Besitzer der Münzen die Umtauschgebühr zahlen mußte.
Damit war Geld wieder reines Tauschmittel, nicht mehr
Schatzmittel. Wie gewaltig dieser wirtschaftliche Aufschwung
gewesen sein muß, zeigt die Entwicklung der Städte in
Deutschland (Abb. 5).
Abb. 5:
Städteneugründungen in der Geschichte
Um 1300
wurde ein Höhepunkt der Städteneugründungen, als
Maß für die wirtschaftliche Entwicklung, erreicht,
welcher in der ganzen Geschichte vor und nach dieser Zeit nie mehr
erreicht wurde. In der Zeit von 1150-1450 wurden die großen
Dome und Kathedralen in Europa gebaut. Finanziert durch
freiwillige Spenden der Bürger. Allein schon hieraus wird
deutlich, wie zuversichtlich die Menschen damals gewesen sein
mußten. Wer spendet schon für ein Jahrhundertprojekt,
wenn er schon morgen nicht weiß ob er noch leben wird? Auch
eine Ausbeutung über Bodenrente wurde oftmals dadurch
verhindert, indem die festen Kosten der Stadtverteidigung auf den
Grundbesitz umgelegt wurden. So verfügte Worms, daß
jeder Bodeneigentümer "Wachtgeld" zu entrichten
habe. Die Situation änderte sich, als auf Druck von
machtsüchtigen Kaufleuten hin, schrittweise Geld eingeführt
wurde, welches nicht mehr verrufen wurde. Das Augsburg der Fugger
gehörte mit zu den ersten Plätzen, an denen die
Münzverrufung auf 4 Jahre hinausgeschoben wurde. Nach
vollständiger Einführung des Dickpfennigs (beidseitig
geprägtes schweres Geld) konnten die Fugger sich zwischen
1480 und 1560 zu einer der mächtigsten Familien der damaligen
Welt aufschwingen. Geld wurde dann nur noch hochverzinst
verliehen. Beispielsweise brachte eine Anlage von 900 Gulden nach
6 Jahren 30.000 Gulden Zinsertrag. Bei den dem Bauern auferlegten
Geldabgaben mußte er im Falle von Säumigkeit Zinsen
zahlen, und zwar nach dem sogenannten "Rutscherzins" für
jeden Tag des Verzuges den verdoppelten Zinssatz. Mit der
schrittweisen Einführung des "Ewigen Pfennigs"
verschob sich damit die Vermögensverteilung innerhalb weniger
Jahrzehnte so drastisch, daß die gotischen Bauten aus
Geldmangel in ganz Mitteleuropa nicht mehr fertiggestellt werden
konnten. Überall in Europa wurden die Dome mehr als 300 Jahre
nicht weitergebaut und erst im letzten Jahrhundert vollendet. Die
wirtschaftliche Situation der Bevölkerung verschlechterte
sich so stark, daß es Anfang des 16. Jahrhunderts zu
blutigen Bauernkriegen kam. Die Zünfte waren nicht mehr für
jeden frei, für die meisten war der Weg in die
Selbständigkeit versperrt, es entstand eine neue Schicht der
abhängigen Lohnarbeiter. Gleichzeitig wurden neue
Entdeckungen und Erfindungen unterdrückt. So wurde
beispielsweise der Vorläufer des mechanischen Webstuhls 1586
von der Zunft verboten und der Erfinder ermordet. Da sich die
Menschen die schnelle wirtschaftliche Verschlechterung nicht
erklären konnten, kam es zu Hexenverbrennungen, die ab 1484
zunehmend veranstaltet wurden. Das finstere Mittelalter zog herauf
und hält im Prinzip bis heute an.
So lange
wie nicht die Wirkungsmechnismen im Finanzsystem durchschaut
werden, werden wir weiter im Teufelskreislauf von Boom,
Verschuldung, Crash, Krise und Krieg weiterleben müssen.
Dabei werden die Opfer, die unser Geldsystem fordert immer
zahlreicher: Forderte der Krieg 1870 etwa 70000 Tote, waren es im
Ersten Weltkrieg bereits 6 Millionen und im zweiten 60 Millionen.
Doch lassen sich die Schäden nicht nur für einen
Kriegsfall erkennen, sondern haben auch heute schon gewaltige
Ausmaße angenommen. Bereits heute muß jeder Haushalt
in Deutschland über 35000 DM an Zinsen zahlen, in nur 7
Jahren werden es 70000 DM sein, die Sie zu erarbeiten haben - Wer
kann sich das leisten? Nur wer die Hintergründe unseres
Finanzsystems kennt, kann sich selbst vor Schäden, wie einem
Vermögensverlust, schützen.
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