ISBN
3-930219-41-7 Kartoniert;
185 S. Buch ist leider zwischenzeitlich vergriffen und nicht mehr lieferbar! Die Folgen der Schuldenfalle! Den wenigsten ist heute die Brisanz der Schuldenrpoblematik bewußt. Vor allem diejenigen, welche sich privat verschulden wollen oder verschuldet sind, sollten dieses Buch unbedingt lesen! Die Verschuldung der Länder, der Unternehmen und der Privathaushalte hat globalen Charakter angenommen. Allein in Deutschland liegt die Staatsverschuldung bei über 2,3 Billionen Mark und wächst pro Sekunde (!)um weitere 2536 DM. In den USA ist die Situation noch drastischer. Hier hat die Gesamtverschuldung 30 Billionen Dollar erreicht und steigt dramatisch, umgerechnet auf die Privathaushalte liegt die Verschuldung in den USA bei unglaublichen 500.000 DM pro Haushalt. Ganze Nationen stehen unmittelbar vor dem Bankrott, wie die Finanzkrisen in Rußland, Japan, Argentinien und in der Türkei gnadenlos zeigen. Aber auch die Unternehmen haben sich, ob groß oder klein, weltweit unter dem Globalisierungsdruck über die Maßen verschuldet. Oft übersteigen die Ausgaben für den Schuldendienst die Ausgaben für Löhne und Gehälter um ein Vielfaches. Entlassungen und Arbeitslosigkeit sind die Folge. Längst werden die Schulden nicht mehr getilgt, längst werden die Zinsen nicht mehr gezahlt, sondern durch neues Schuldenmachen werden Tilgung und Zinsen zur alten Schuld geschlagen. Daß dieses System auf ein apokalyptisches Ende zusteuert ist unübersehbar. Die Weltwirtschaft wird in eine Krise von bislang ungekannten Ausmaßen stürzen. Günter Hannich fordert eine radikale Abkehr von unserem Zinseszins- und Schuldensystem in seiner jetzigen Ausprägung und zeigt dem Leser, wie er die kommende Schuldenkrise am besten überstehen kann. Eine Zeitbombe tickt, die jederzeit explodieren kann. Die nächste große Weltwirtschaftskrise hat bereits begonnen. Mit Ratgeber, was bei vorhandener Verschuldung zu beachten ist. Inhaltsverzeichnis:
Zunehmend
kommt das Thema "Verschuldung" in das Bewußtsein
der Öffentlichkeit. In erster Linie wird dabei an die
explodierende Staatsverschuldung gedacht, weniger an die genauso
ausufernde Verschuldung der Unternehmen und privaten Haushalte.
Die Verantwortlichen und die Medien werden dabei nicht müde, der Bevölkerung ein schlechtes Gewissen einzureden. Jeder sei durch sein Anspruchsdenken an den Mißständen mitschuldig. Schnell wird dann auf angebliche "Musterstaaten" verwiesen, welche es geschafft hätten, durch Roßkuren den Schuldenberg abzutragen. Man müsse also nur den "Gürtel enger schnallen" und schon wären die Probleme zu meistern. Einig sind sich die Verantwortlichen darin, daß unser System als ganzes in keinster Weise fehlerbehaftet wäre. Wer jedoch den Ursachen auf den Grund geht, erkennt, daß die Bevölkerung nicht für die Misere verantwortlich ist und daß auch alle Roßkuren der Welt nicht imstande sind, den Schuldenbankrott aufzuhalten. Lediglich eine Reform im System kann der dramatischen Entwicklung Einhalt gebieten. Doch genau daran ist denjenigen im Hintergrund, welche an der Verschuldung verdienen, am wenigsten gelegen. Der Leser ist deshalb dazu aufgerufen, sich seine eigene Meinung zu bilden und entsprechende Konsequenzen, nicht zuletzt zur eigenen Sicherheit, daraus zu ziehen.
Allgemein bekannt ist, daß jemand, der Schulden macht, damit seine Freiheit verliert. Dabei ist jedoch weniger der Kredit selber das Problem, sondern die pünktlich zu zahlenden Zinslasten bereiten das größte Kopfzerbrechen. Ist der Schuldner sogar, wenn auch nur vorübergehend, durch einen Unglücksfall nicht mehr in der Lage die Kapitalkosten zu tragen, dann wird aus einer kleinen Schuld schnell durch zweistellige Verzugszinsen ein unbezahlbarer Schuldenberg. Vor noch wenigen Jahrzehnten war Verschuldung eher schlecht angesehen, bei den Eltern und Großeltern galt noch die Devise, daß man sich etwas nur leisten könne, wenn man vorher gespart hätte. Demgegenüber ist es heute modern geworden verschuldet zu sein. Großangelegte Werbekampagnen der Banken rufen dazu auf, sich beispielsweise mal eine Reise zu gönnen - am besten auf Kredit bei der werbenden Bank. Es verwundert wenig, daß bei einer solchen Einstellung zunehmend Familien überschuldet sind und ihre Existenz bedroht wird. Wie bei den Privatleuten, so leben auch die Unternehmen und erst recht der Staat fast gänzlich auf Schuldenbasis. Diesen Tatbestand nehmen dann auch schnell moralisierende Politiker auf, um der Bevölkerung insgesamt ein "Anspruchsdenken" und "Verschwendungsmentalität" vorzuwerfen. Praktisch nie wird darauf verwiesen, daß die explodierende Verschuldung weniger davon herrührt, daß die Menschen tatsächlich verschwenderisch wären, sondern daher, daß unser ganzes Finanzsystem nur so lange überhaupt leben kann, als die Schulden immer schneller explodieren. Doch bevor wir den Ursachen dieses Problems nachgehen, ist es notwendig, sich erst einmal der Brisanz des Themas und der Bedrohung für jeden von uns bewußt zu werden. An erster Stelle der Betrachtungen steht im allgemeinen die Staatsverschuldung. Zuerst soll die Entwicklung der Schulden dargestellt werden, später dann über die Ursachen davon aufgeklärt werden. Unternehmerschulden führen zum Bankrott Wenn von Schulden die Rede ist, so wird im allgemeinen zuerst an die Staatsverschuldung gedacht, da diese medienwirksam den Menschen vorgeführt wurde. Das jedoch noch viel größere Problem der Unternehmensverschuldung wird ausgeklammert. Dabei fällt fast die Hälfte der Gesamtverschuldung Deutschlands (Summe aus Schulden von Staat, Unternehmen und Privathaushalten) auf die Betriebe (Abb. 8) Abb. 8: Verteilung der Schuldenlast in Deutschland Jetzt stellt sich die Frage, ob sich die Verschuldung der Unternehmen ähnlich explosiv entwickelt, wie die der Staatsverschuldung. In der Tat, beweisen die Zahlen, etwa der Deutschen Bundesbank in der gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung, deutlich, daß sich die Verschuldung der Unternehmen in immer schnellerer Geschwindigkeit aufbläht Abb. 9). Abb. 9: Verschuldung der Unternehmen in Deutschland Schnell wird deutlich, daß sich mit den explodierenden Verpflichtungen für die Betriebe automatisch immer mehr Finanzierungsprobleme ergeben müssen. Lag die gesamte Unternehmensverschuldung noch 1960 bei knapp 241 Mrd. DM, wurde diese bis 1990 mit fast 3000 Mrd. DM mehr als verzwölffacht und erreichte 1998 mit 5600 Mrd. DM einen dreiundzwanzigfach so hohen Stand, wie noch 1960. Demgegenüber konnte sich die Wirtschaftsleistung, also das Bruttosozialprodukt, von 1960 bis 1998 gerade um das 12 fache (nominal) ansteigen. Die Verschuldung der Wirtschaft steigt also beinahe mehr als doppelt so schnell, wie die Produktivität. Zwangsläufig geraten damit die Firmen in einen immer größer werdenden Engpaß: In einem Marktumfeld, in dem sich der Umsatz nicht weiter erhöhen läßt und der auch Preissteigerungen durch den härter werdenden Wettbewerb nicht zuläßt, werden die Zinskosten (Kapitalkosten) zunehmend drückender. Immer größere Anteile des Unternehmergewinns müssen nun für die Bedienung der Schulden verwendet werden. An allen Ecken und Enden wird es damit, vor allem für kleine und mittlere Betriebe, eng und vielen geht buchstäblich die Luft aus und sie müssen Konkurs anmelden. Wie sehr die ganze Welt in der Misere steckt, zeigt eine Studie der Thomson Financial Securities Data Agency aus den USA, welche ermittelte, daß weltweit allein 1999 die Kredite um 140 Prozent angestiegen wären. Da das Wirtschaftswachstum weltweit nur wenige Prozentpunkte gewachsen ist, kann man sich ausmalen, welche enorme Zinsbelastung aus diesen Schulden wachsen muß. Doch warum
verschulden sich die Unternehmen überhaupt so stark? Hätte
der Unternehmer etwas anders machen können? Wie sehr
die Unternehmen durch die Kapitalkosten in die Klemme kommen,
dafür ist die Deutsche Bahn ein gutes Beispiel: Trotz aller
Einsparungen läßt sich mit den noch rentablen
ICE-Neubaustrecken noch nicht einmal der Zinsendienst
sicherstellen. Dabei verlor die Bahn in der Vergangenheit durch
die "Reformen" ständig an Gewicht. So wurden seit
1949 über 12000 km Bahnstrecke abgebaut. Der Anteil des
Personenverkehrs sank von 16 Prozent im Jahr 1960 auf neun Prozent
im Jahr 1999, der des Güterverkehrs sogar von 38,6 Prozent
auf nur noch 7,2 Prozent. Es geht den Unternehmen heute zunehmend
nur noch darum, die steigenden Kapitalkosten tragen zu können.
Nur deshalb reduziert die Bahn ihr Streckennetz, da sie nur dort
und beim Personal überhaupt einsparen kann. Oftmals fressen
heute die Zinslasten den kompletten Gewinn auf. Beim Tunnel
zwischen England und Frankreich beispielsweise frißt
beispielsweise die Zinslast, trotz ständig steigender Nutzung
des Tunnels, die gesamten Gewinne aus dem Betrieb. Die
Lüge vom Sparen - Als Antwort auf die wachsende Schuldenproblematik, wurde vor allem im Lauf der neunziger Jahre immer mehr das "Sparen" in den Mittelpunkt gerückt. Ausgelöst wurde diese Kampagne unter anderem durch den Maastrichter Vertrag zur Einführung von Euro-Einheitsgeld in Europa. Um den Beitritt zu dieser Gemeinschaftswährung erreichen zu können, wurden jedem Land Stabilitätskriterien auferlegt, welcher verlangten, daß unter anderem die Neuverschuldung unter 3 Prozent und die Gesamtverschuldung unter 60 Prozent des Bruttosozialproduktes zu liegen habe. Sparen - das politische Einheitsrezept Um diese
Hürden erreichen zu können, wurden neben
buchhalterischen Tricks, dem Volk mehrere "Sparpakete"
verordnet. So wurde beispielsweise von der damaligen
Unionsregierung gefordert, daß Bund und Länder 50
Milliarden D-Mark einzusparen hätten. Diese Maßnahmen
lösten schon damals in der Bevölkerung breite Ablehnung
aus, was sich in Großdemonstrationen des Gewerkschaftsbundes
und der damaligen SPD Opposition äußerte. Der damalige
hessische Ministerpräsident Eichel bekräftigte den
Widerstand der SPD gegen die geplanten Sozialsparmaßnahmen
im Bundesrat. Wie widersprüchlich allerdings die Aussagen der
Politiker waren, wurde deutlich, als Eichel dann 1999 selbst
Finanzminister wurde und er sich, wie vormals die Unionsparteien,
für Sparmaßnahmen einsetzte, welche er ehemals aus
wahltaktischen Gründen ablehnte. Schon im Mai 1999 wurde
deutlich, daß der neue Finanzminister sich für radikale
Sparmaßnahmen einsetzen würde. Eichel unterstrich, daß
auch im Sozialbereich Kürzungen unvermeidbar seien. Auch
waren damals deutliche Steuererhöhungen im Gespräch. Im
Herbst 1999 kam es dann wieder zu großen Demonstrationen
gegen das Sparpaket. Neben Protesten der CDU-Opposition
kritisierte der Präsident des deutschen
Steuerberaterverbandes Jürgen Pinne die Maßnahmen und
bezeichnete die gesamte Steuerpolitik als "gesetzgebungstechnische
Flickschusterei" und rief zum "passiven
Steuererklärungstreik" auf. Eichel erklärte
daraufhin, daß es zum Sparen keine Alternative gebe und wenn
die Zustimmung zu dem einen oder anderen Sparvorhaben ausbleiben
würde, andere Sparmaßnahmen mit gleichem Volumen
stattfinden würden. Zur gleichen Zeit erläuterte der
Finanzminister seine Vision, daß ab 2004 keine neuen
Staatsschulden mehr gemacht würden und legte dazu ein
Stabilitätsprogramm vor. Danach sollte das Staatsdefizit
innerhalb dreier Jahre auf Null sinken. Zudem solle der
Schuldenstand im Jahr 2004 nur noch 54,4 Prozent des
Bruttoinlandsprodukts (BIP) betragen. Bis zum Jahr 2006 wurde
sogar von Überschüssen im Gesamthaushalt geträumt,
weil die rasante Entschuldung durch Ausgabendisziplin und die
Steuerreform dies ermöglichen würden. Im Sommer 2000
forderte die Bundesbank die Bundesregierung zu einem noch
strikteren Sparkurs auf. Angesichts der zu erwartenden
Einnahmeausfälle wegen der Steuerreform sollen sowohl die
Erträge aus dem UMTS Verkauf, als auch Zinsersparnisse zur
Schuldentilgung verwendet werden. In die gleiche Richtung ging der
Rechnungshof in seinem Jahresbericht 2000 und äußerte
scharfe Kritik an überflüssigen Ausgaben und
Fehlplanungen Es wurde darauf verwiesen, daß der Bund jedes
Jahr rund zehn Mrd. DM sparen könnte. Vor allem mangelhafte
Konzepte bei der Nutzung von Großinvestitionen sowie zu
niedrige Gebühren und Abgaben würden den Staatshaushalt
belasten. Es wurde behauptet, daß bei einer Umsetzung der
Vorschläge des Rechnungshofes bereits kurzfristig der
Staatshaushalt um mehrere hundert Mio. DM zu entlasten wäre.
Alle politischen und wirtschaftlichen Institutionen scheinen sich
also einig zu sein, daß man durch "Sparen" das
Schuldenproblem lösen könne. Dabei solle sich der
Spareffekt sogar weltweit durchsetzen. Wo liegt
nun der Fehler in dem oberflächlich gesehen so einleuchtenden
Argument, durch Sparen wirklich Schulden tilgen zu können? Mit der
gleichen Argumentation wie das RWI wiederholte auch
Bundesfinanzminister Eichel auf dem Forum "Verantwortung für
die Zukunft" der Dresdner Bank im März 2001 stereotyp
seine Behauptung, die Steuersätze im zweijährigen
Rhythmus senken und den Bundeshaushalt durch strikte
Ausgabenbegrenzung bis zum Jahr 2006 ausgleichen zu wollen. Ab dem
Jahr 2009 solle dann der Bundeshaushalt einen Überschuß
von einem Prozent des Bruttoinlandsproduktes aufweisen. Den Haken
bei dieser schönen Rechnung nannte Eichel auch, als er als
Voraussetzung ein Wirtschaftswachstum von vier Prozent nannte. Um
dies zu erreichen fördere die Bundesregierung ein starkes
Wirtschaftswachstum mit der Steuerpolitik und Verbesserung der
Qualität der Staatsausgaben. Wie allerdings langfristig ein
Wachstum von vier Prozent durchgehalten werden soll, konnte der
Finanzminister nicht erklären. Eine solche Wachstumsrate
würde bedeuten, daß sich die Produktion alle 18 Jahre
verdoppeln soll und niemand kann erklären, wer denn die
Produkte eigentlich kaufen soll, welche dann den Markt
überschwemmen, von den entstehenden Umweltproblemen einmal
ganz abgesehen. Überhaupt sollen gerade die Löhne und
damit die Kaufkraft der Bevölkerung keinesfalls steigen. Es
soll also mehr produziert werden, ohne daß klar wäre,
wer die Produkte kaufen soll und mit welchem Geld? Dies kommt daher, weil ganz vergessen wird, daß eine komplette Volkswirtschaft nicht mit einem Einzelhaushalt verglichen werden kann. Weil beispielsweise ein überschuldeter Haushalt oder ein verschuldetes Einzelunternehmen durch Sparmaßnahmen tatsächlich seine Schulden tilgen kann, wird dieser Vorgang fälschlicherweise auf die ganze Volkswirtschaft übertragen. Es wird behauptet, daß die Schulden im ganzen durch Sparpakete abbaubar wären. Der Fehler
in dieser Betrachtung liegt darin, daß die den Schulden
gegenüberstehenden Geldvermögen ganz vergessen werden.
Damit überhaupt Kredite vergeben werden können, muß
erst jemand bereit sein, sein Geld dafür zur Verfügung
zu stellen. Genauso ist es beim Staat: Erst wenn jemand bereit
ist, beispielsweise Schuldpapiere des Staates gegen Geld
anzunehmen, kann sich dieser überhaupt verschulden. Es muß
also immer zwei Seiten geben: Schuldner und Gläubiger.
Während der Gläubiger eine Geldforderung gegen den
Schuldner hat (also ein Geldvermögen) hat dieser gegenüber
dem Kreditgeber eine Schuld. Die Beträge der Schulden und
Geldvermögen müssen also immer gleich groß sein
und wenn eine Größe zunimmt, muß auch die andere
ansteigen. Im Umkehrschluß bedeutet das allerdings, daß
Schulden nur dann wirklich reduziert werden können, wenn im
gleichen Atemzug auch Geldvermögen vernichtet werden. Wenn
also der Staat seine Verpflichtungen wirklich reduzieren würde,
dann müßten gleichzeitig beispielsweise die
Bundesschatzbriefe von Herrn Meier wertlos werden - das allein
wäre wirkliche Schuldenreduzierung. Alles andere ist nur ein
Verlagern des Problems von einen auf den anderen Sektor. Abb. 15: Gesamte und private Geldvermögen in Deutschland Wie in Abb. 15 zu sehen ist, explodieren die gesamten Geldvermögen (Geldvermögen von Staat, Unternehmen und privaten Haushalten zusammengenommen). Wie zu erkennen ist, machen die privaten Geldvermögen den größten Anteil der gesamten Kapitalvermögen aus - das Geld ist also nicht in der Hand von Institutionen, sondern im Besitz von Privatleuten. Schon beim Betrachten dieser Entwicklung drängt sich ein kausaler Zusammenhang zwischen Geldvermögen und Verschuldung auf, der in Abb. 16 noch deutlicher wird. Beide Größen wachsen, wie ersichtlich um annähernd gleiche Beträge jährlich und das mit exponentiell steigender Geschwindigkeit. Abb. 16: Gesamte Geldvermögen und gesamte Schulden in Deutschland An sich wären Schulden und gleich hohe Geldvermögen kein Problem, würden daraus nicht Zinslasten für den Schuldner und entsprechende Zinsgewinne für den Geldverleiher resultieren. Wenn die Beträge darüberhinaus nicht immer schneller anwachsen, sondern auf einem stabilen Niveau bleiben würden, dann wäre die Entwicklung ebenfalls nicht besorgniserregend. Das Grundproblem liegt also darin, daß die Geldvermögen und Schulden explodieren. Warum tun sie das? Der Krieg - die Schuldenabrechnung Tatsächlich
lassen sich deutliche Parallelen zwischen dem damaligen
Zusammenbruch des Schuldensystems und dem später folgenden
Weltkrieg zeigen: Einmal wurde durch die Weltwirtschaftskrise vor
allem in Deutschland eine gewaltige Massenarbeitslosigkeit
erzeugt, zum anderen war das politische System, nach dem
verlorenen Ersten Weltkrieg und den hohen Reparationsforderungen
der Siegermächte, äußerst instabil. Abb. 26: Entwicklung der Arbeitslosenzahl und der Stimmen für die NSDAP Daneben war die wirtschaftliche Entwicklung in den USA ähnlich: Die Wirtschaftsleistung sank drastisch und die politschen Entscheidungsträger konnten die Deflation nicht bekämpfen. (Abb. 27) Nach einer kurzfristigen Verbesserung der Lage, verschlimmerte sich die Entwicklung bis Ende der dreißiger Jahre wieder. Abb. 27: Wirtschaftliche Entwicklung in den USA Auffällig ist, daß die Wirtschaftskrise in den USA innerhalb weniger Monate endete: Im Jahr 1939 ging die Krise plötzlich in eine Hochkonjunktur über. Dies ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, daß schon vor dem eigentlichen Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, im September 1939, in den USA großangelegte Rüstungsprogramme wieder hochrentable Investitionsmöglichkeiten für das Kapital schufen, weshalb die deflationäre Abwärtsspirale durchbrochen wurde. Das würde allerdings im Umkehrschluß bedeuten daß die USA nur durch den Zweiten Weltkrieg und den dadurch geschaffenen Rüstungs-Konjunkturboom es überhaupt geschafft haben, aus der Krise wieder herauszukommen. In der Tat würden die Kriege der jüngsten Vergangenheit diese Annahme bestätigen: Oftmals wenn eine durch Schulden induzierte Wirtschaftskrise aufflammte, konnte diese durch einen Krieg, wie zuletzt den Golfkrieg 1991, abgewendet werden - Kriege werden also anscheinend im heutigen System als Konjunkturmotor gebraucht. Bedenklich stimmt hier, daß Anfang 2001, im Zuge einer aufkommenden Rezession in den USA, wieder kräftig in Rüstung investiert wurde. So wurde beispielsweise einmal vom US-Handelsministerium bekanntgegeben, daß es im März 2001 einen leichten Anstieg der Auftragseingänge gegeben hätte und deshalb das Schlimmste überstanden sei. Doch während überall die Auftragseingänge sanken, stiegen sie nur in einem Bereich: Die Aufträge für Kriegsschiffe und Panzer kletterten um 936 Prozent und für langlebige Militärgüter um fast 64 Prozent. Tatsächlich
kam es am 11.9.2001 zu Terroranschlägen in den USA aufgrund
derer Amerika einen Feldzug gegen Afghanistan unternahm. Bald
wurde dann noch angekündigt, fünf weitere Länder
angreifen zu wollen. (Quelle: Financial Times Deutschland,
10.10.2001)
Vincent Vickers, Leiter der Bank von England, 1910-1919 Wenn ein zusammenstürzendes Schuldensystem nur durch einen Krieg wieder stabilisiert werden kann, dann bedeutet dies im Umkehrschluß, daß wir parallel zu den wachsenden Schulden- und Zinslasten auch kriegerischeren Zeiten entgegengehen. Überhaupt führen die durch den Schuldendienst immer drückender werdenden Kapitalkosten oftmals dazu, daß die Bevölkerung zur Gewalt greift. Dies war beispielsweise in der französischen Revolution so, als Frankreich 70 Prozent seiner Steuereinnahmen nur für den Schuldendienst verwenden mußte, wie auch im Ersten Weltkrieg, als allein Deutschland nur für die Eisenbahnanleihen mehr Schuldendienst leisten mußte, als das ganze hochgerüstete Heer beanspruchte. Dabei sollte nicht vergessen werden, daß für einen überschuldeten Angreifer der militärische Konflikt oftmals den einzigen Weg darstellt, seine Schulden, durch Ausschaltung des Gläubigers zu "tilgen". Ein Land, welches immer größere Anteile seines Etats nur für den Schuldendienst aufwenden muß, die Schulden schon mehrmals abbezahlt hat und dessen Schuldenberg trotzdem immer weiter wächst, erkennt schnell, daß es keine Chance hat. Wie wir schon bei der Schuldenentwicklung der Dritten Welt gesehen haben, sind heute eine ganze Reihe von Ländern bereits in dieser hoffnungslosen Lage gefangen. Doch kommt jeder Staat, dessen Geldsystem auf Zins basiert, zwangsläufig früher oder später in die gleiche Lage, allein weil sich das Wirtschaftswachstum nicht in dem Maße steigern läßt, als die Schulden durch Zinseszins explodieren. Ein Abbau der Schulden, also eine Tilgung ist ohnehin nicht möglich, weil Schulden zwar hin und hergeschoben, jedoch niemals aufgelöst werden können, ohne daß die dahinterstehenden Geldvermögen ebenfalls entwertet werden. Die Gefahr, daß die alten Rezepte zur gewaltsamen "Schuldentilgung" wieder angewandt werden, ist heute sehr groß. Vergessen wird dabei häufig, daß nicht nur die relativ machtlosen Entwicklungsländer, sondern auch hochgerüstete Atommächte sich in einer Schuldenkrise befinden. Wie immer deutlicher wird, läuft unser auf Schulden aufgebautes System auf einen Endpunkt zu. Während in der öffentlichen Diskussion fast nur von der Staatsverschuldung die Rede ist, wird die Kreditaufnahme der Privathaushalte nur am Rande und die Unternehmensschulden gar nicht behandelt - obwohl diese bei weitem am größten sind. Schon der Umgang mit unseren Steuermitteln zeigt deutlich, daß der Begriff des "Sparens" von den Entscheidungsträgern sehr einseitig gesehen wird. Während die Bevölkerung dazu angehalten wird, "den Gürtel enger zu schnallen", genehmigen sich privilegierte Kreise große Summen öffentlicher Gelder, um davon persönlich zu profitieren. Als Beispiel braucht hier nur die heutige sogenannte "Forschungsförderung" genannt werden, durch die große Milliardensummen in meist unsinnigen Projekten verschleudert werden. Seltsamerweise wird gerade von den Personenkreisen am meisten zum "Sparen" aufgerufen, welche selber zu den größten Verschwendern gehören. Doch ist
der Komplex des Schuldenproblems weitaus vielschichtiger, als daß
man ihn auf reine Verschwendung reduzieren könnte. Im
Gegenteil: Je mehr sich die Medien auf die Verschwendung
konzentrieren, umso weniger wird erkannt, daß unser System
einen Verschuldungszwang verursacht. Während kein Unternehmen
oder eine Einzelperson dazu gezwungen wird, Kredite aufzunehmen,
muß die Verschuldung in der ganzen Volkswirtschaft ständig
ansteigen - anderenfalls bricht das System zusammen. Mit höheren Schulden gehen immer höhere Kapitalkosten einher. Diese erwürgen die Unternehmen, was diese dazu zwingt, Personal zu entlassen und alle unproduktiven Ausgaben, wie beispielsweise für den Umweltschutz, zu streichen. Die Volkswirtschaft als ganzes kommt dabei immer mehr in die Zwickmühle. Die gesamten Schulden wachsen heute mehr als 2 1/2 mal so schnell, wie das Bruttosozialprodukt. Hier ist es kein Wunder, daß an allen Ecken und Enden das Geld fehlt und alles nur noch darum geht, den Schuldendienst zu leisten. In anderen Ländern sieht es kaum besser aus: Die Entwicklungsländer beispielsweise haben ihre aufgenommenen Kredite schon mehrfach abbezahlt und sind heute, trotz Schuldenstreichung, höher verschuldet als je zuvor. Auch die immer wieder vorgeschobenen "Musterländer", sind alles andere als Vorbilder. Im Gegenteil: In den USA beispielsweise wurde nur die Staatsverschuldung auf die Privathaushalte und die Unternehmen verschoben. Die Gesamtverschuldung steigt dort annähernd viermal schneller, als das Bruttosozialprodukt. Mit den
steigenden Zinslasten für die Bevölkerung sind
entsprechende Zinserträge für eine kleine Schicht von
Superreichen verbunden. Aus diesem Grund geht die Schere zwischen
arm und reich überall auf der Welt immer weiter auseinander.
Spannungen, Unruhen und letztlich Kriege sind die logischen Folgen
davon. Unbedingt muß der Leser aus dieser Erkenntnis praktische Schlüsse ziehen und Schulden auf jeden Fall meiden. In der Geldanlage geht die schnelle Verfügbarkeit des Vermögens auf jeden Fall vor der Rendite. Das Schuldenproblem wäre nur dadurch zu lösen, indem der Störfaktor Zins aus der Wirtschaft eliminiert wird. Hierzu gibt es interessante Beispiele aus der Weltwirtschaftskrise, durch welche tatsächlich eine funktionierende, stabile Ordnung geschaffen werden konnte. Weil das
Schuldensystem schon beinahe wieder an seinem Endpunkt angekommen
ist und die Verantwortlichen keinerlei Anzeichen dafür geben,
irgendwas entscheidendes ändern zu wollen, wird die kommende
Schuldenkrise wohl unvermeidbar sein.
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