Wer in der Schuld ist, ist nicht frei

Inhaltsverzeichnis

Probekapitel

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ISBN 3-930219-41-7 Kartoniert; 185 S.
1. Auflage, 2002
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Die Folgen der Schuldenfalle!

Den wenigsten ist heute die Brisanz der Schuldenrpoblematik bewußt. Vor allem diejenigen, welche sich privat verschulden wollen oder verschuldet sind, sollten dieses Buch unbedingt lesen!

Die Verschuldung der Länder, der Unternehmen und der Privathaushalte hat globalen Charakter angenommen. Allein in Deutschland liegt die Staatsverschuldung bei über 2,3 Billionen Mark und wächst pro Sekunde (!)um weitere 2536 DM. In den USA ist die Situation noch drastischer. Hier hat die Gesamtverschuldung 30 Billionen Dollar erreicht und steigt dramatisch, umgerechnet auf die Privathaushalte liegt die Verschuldung in den USA bei unglaublichen 500.000 DM pro Haushalt. Ganze Nationen stehen unmittelbar vor dem Bankrott, wie die Finanzkrisen in Rußland, Japan, Argentinien und in der Türkei gnadenlos zeigen. Aber auch die Unternehmen haben sich, ob groß oder klein, weltweit unter dem Globalisierungsdruck über die Maßen verschuldet. Oft übersteigen die Ausgaben für den Schuldendienst die Ausgaben für Löhne und Gehälter um ein Vielfaches. Entlassungen und Arbeitslosigkeit sind die Folge.

Längst werden die Schulden nicht mehr getilgt, längst werden die Zinsen nicht mehr gezahlt, sondern durch neues Schuldenmachen werden Tilgung und Zinsen zur alten Schuld geschlagen. Daß dieses System auf ein apokalyptisches Ende zusteuert ist unübersehbar. Die Weltwirtschaft wird in eine Krise von bislang ungekannten Ausmaßen stürzen. Günter Hannich fordert eine radikale Abkehr von unserem Zinseszins- und Schuldensystem in seiner jetzigen Ausprägung und zeigt dem Leser, wie er die kommende Schuldenkrise am besten überstehen kann.

Eine Zeitbombe tickt, die jederzeit explodieren kann. Die nächste große Weltwirtschaftskrise hat bereits begonnen.

Mit Ratgeber, was bei vorhandener Verschuldung zu beachten ist.

Inhaltsverzeichnis:

Vorwort

Die explodierende Verschuldung
Staatsverschuldung ein System vor der Pleite
Explodierender Schuldenberg bei Bundesländern, Städten und Gemeinden
Wasser predigen und Wein trinken - die Sparappelle
Verschwendung, Korruption und Verschleierungstaktik
Die Beamtenbürokratie - ein teuer Spaß
Forschungsförderung - sinnlose Verschwendung
Das Abwälzen der Verantwortung
EU-Erweiterung - der Bürger soll blechen
Staatsverschuldung weltweit
Japan - ein Industrieland verabschiedet sich
Zusammenfassung

Steigende Steuerlasten
Die Reichen zahlen keine Steuern
Der Bürger wird geschröpft
Zusatzsteuer Sozialversicherung
Leistungseinschränkungen und Verschwendung
Rentenversicherung - Der Bürger wird zur Kasse gebeten
Maximale Einzahlungen und Minirenten
Betriebsrenten - Zeitbombe für die Unternehmen
Kapitalfinanzierte Rente - zusätzliche Belastung der Bevölkerung
Die Versicherungsillusion
Superreiche - die lachenden Gewinner
Zusammenfassung

Subventionen - die Marktwirtschaft außer Kraft gesetzt
Subventionen - die Sozialhilfe für Unternehmer
Unternehmerschulden führen zum Bankrott
Schuldenumverteilung vom Staat auf die Unternehmen
Die Telekombranche vor dem Zusammenbruch
Schuldenschiebereien
Schulden führen zu Konkursen und Arbeitslosigkeit
Druck auf die Beschäftigten
Das Management läßt es sich gutgehen
Eine bittere Pille: Erwerbstätigkeit in der Zukunft
Druck auf die Arbeitslosen
Steigende Kapitalkosten erzwingen Umweltzerstörung
Verschärfung der Situation - Basel II
Zusammenfassung

Die Privatbürger in der Schuldenfalle
Eine typische Leidensgeschichte
Unwirksamer Verbraucherkonkurs
Zusammenfassung
Schulden und Ausbeutung
Weltweite Ausbeutung
Die Lüge vom Schuldenerlaß und von der Entwicklungshilfe
Der IWF - Ausbeutung ohne Ende
Zusammenfassung

Die Lüge vom Sparen -
Warum die Verschuldung in unserem System immer steigen muß

Sparen - das politische Einheitsrezept
Sparen, sparen, sparen - an Arbeitsplätzen
Der Verschuldungszwang
Natürliches und exponentielles Wachstum
Der zerstörerische Zinseszins
Unser Geldsystem erzwingt Verschuldung - ein einfaches Modell
Die Verschuldung muß explodieren
Schuldenschiebereien
Musterstaat USA - der große Irrtum vom Schuldenabbau
Taschenspielertricks aus Amerika
Die Lüge von den "Musterstaaten"
Zusammenfassung

Schulden führen zu Spekulation und Crash
Eine Welt wird geplündert - die Profiteure im Hintergrund
Leistungslose Kapitalgewinne und Schwarzarbeit
Die Erbengeneration - der neue Geldadel
Zusammenfassung

Der Zusammenbruch - die wirkliche Schuldentilgung
Schuldenkrisen treffen die Welt
Die Deflation - der Schuldenballon platzt
Die große Weltwirtschaftskrise
Zusammenfassung

Der Krieg - die Schuldenabrechnung
Ein neuer Schuldenkrieg?
Eine Atommacht unter Druck
Steigende Spannungen
Zusammenfassung

Die kommende Welt-Schuldenkrise
Bankrott eines kleinen Schuldners
Industrieländer brechen zusammen
Japan
Amerika
Externer Auslöser für die Schuldenlawine
Szenario - die Welt am Abgrund
Die heutigen Notenbanken - Lösung oder Problem?
Die Inflation - trügerische Scheinlösung des Schuldenproblems
Sind Schulden Geld?
Zusammenfassung
Geldanlage und Schuldenkrise
Grundsatz: Keine Schulden!!!
Schulden in der Inflation
Schulden in der Deflation
Gefährliche Steuersparmodelle
Vorhandene Schulden
Geldanlage
Praktische Schritte
Unternehmen und Schuldenkrise
Zusammenfassung

Die Lösung - das Ende des Schuldensystems
Mit stabiler Währung aus der Schuldenfalle
Zusammenfassung

Zusammenfassung und Ausblick

 


Probekapitel:

Vorwort

Zunehmend kommt das Thema "Verschuldung" in das Bewußtsein der Öffentlichkeit. In erster Linie wird dabei an die explodierende Staatsverschuldung gedacht, weniger an die genauso ausufernde Verschuldung der Unternehmen und privaten Haushalte.
Noch vor wenigen Jahren wurde das Thema Schulden einfach unter den Teppich gekehrt, heute wird jedoch gerade dieses Thema genutzt, um der Bevölkerung Repressalien und höhere Steuerlasten aufzuzwingen.

Die Verantwortlichen und die Medien werden dabei nicht müde, der Bevölkerung ein schlechtes Gewissen einzureden. Jeder sei durch sein Anspruchsdenken an den Mißständen mitschuldig. Schnell wird dann auf angebliche "Musterstaaten" verwiesen, welche es geschafft hätten, durch Roßkuren den Schuldenberg abzutragen. Man müsse also nur den "Gürtel enger schnallen" und schon wären die Probleme zu meistern. Einig sind sich die Verantwortlichen darin, daß unser System als ganzes in keinster Weise fehlerbehaftet wäre.

Wer jedoch den Ursachen auf den Grund geht, erkennt, daß die Bevölkerung nicht für die Misere verantwortlich ist und daß auch alle Roßkuren der Welt nicht imstande sind, den Schuldenbankrott aufzuhalten. Lediglich eine Reform im System kann der dramatischen Entwicklung Einhalt gebieten. Doch genau daran ist denjenigen im Hintergrund, welche an der Verschuldung verdienen, am wenigsten gelegen.

Der Leser ist deshalb dazu aufgerufen, sich seine eigene Meinung zu bilden und entsprechende Konsequenzen, nicht zuletzt zur eigenen Sicherheit, daraus zu ziehen.


Die explodierende Verschuldung

Allgemein bekannt ist, daß jemand, der Schulden macht, damit seine Freiheit verliert. Dabei ist jedoch weniger der Kredit selber das Problem, sondern die pünktlich zu zahlenden Zinslasten bereiten das größte Kopfzerbrechen. Ist der Schuldner sogar, wenn auch nur vorübergehend, durch einen Unglücksfall nicht mehr in der Lage die Kapitalkosten zu tragen, dann wird aus einer kleinen Schuld schnell durch zweistellige Verzugszinsen ein unbezahlbarer Schuldenberg. Vor noch wenigen Jahrzehnten war Verschuldung eher schlecht angesehen, bei den Eltern und Großeltern galt noch die Devise, daß man sich etwas nur leisten könne, wenn man vorher gespart hätte. Demgegenüber ist es heute modern geworden verschuldet zu sein. Großangelegte Werbekampagnen der Banken rufen dazu auf, sich beispielsweise mal eine Reise zu gönnen - am besten auf Kredit bei der werbenden Bank. Es verwundert wenig, daß bei einer solchen Einstellung zunehmend Familien überschuldet sind und ihre Existenz bedroht wird. Wie bei den Privatleuten, so leben auch die Unternehmen und erst recht der Staat fast gänzlich auf Schuldenbasis. Diesen Tatbestand nehmen dann auch schnell moralisierende Politiker auf, um der Bevölkerung insgesamt ein "Anspruchsdenken" und "Verschwendungsmentalität" vorzuwerfen. Praktisch nie wird darauf verwiesen, daß die explodierende Verschuldung weniger davon herrührt, daß die Menschen tatsächlich verschwenderisch wären, sondern daher, daß unser ganzes Finanzsystem nur so lange überhaupt leben kann, als die Schulden immer schneller explodieren. Doch bevor wir den Ursachen dieses Problems nachgehen, ist es notwendig, sich erst einmal der Brisanz des Themas und der Bedrohung für jeden von uns bewußt zu werden. An erster Stelle der Betrachtungen steht im allgemeinen die Staatsverschuldung. Zuerst soll die Entwicklung der Schulden dargestellt werden, später dann über die Ursachen davon aufgeklärt werden.

Unternehmerschulden führen zum Bankrott

Wenn von Schulden die Rede ist, so wird im allgemeinen zuerst an die Staatsverschuldung gedacht, da diese medienwirksam den Menschen vorgeführt wurde. Das jedoch noch viel größere Problem der Unternehmensverschuldung wird ausgeklammert. Dabei fällt fast die Hälfte der Gesamtverschuldung Deutschlands (Summe aus Schulden von Staat, Unternehmen und Privathaushalten) auf die Betriebe (Abb. 8)

Abb. 8: Verteilung der Schuldenlast in Deutschland

Jetzt stellt sich die Frage, ob sich die Verschuldung der Unternehmen ähnlich explosiv entwickelt, wie die der Staatsverschuldung. In der Tat, beweisen die Zahlen, etwa der Deutschen Bundesbank in der gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung, deutlich, daß sich die Verschuldung der Unternehmen in immer schnellerer Geschwindigkeit aufbläht Abb. 9).

Abb. 9: Verschuldung der Unternehmen in Deutschland

Schnell wird deutlich, daß sich mit den explodierenden Verpflichtungen für die Betriebe automatisch immer mehr Finanzierungsprobleme ergeben müssen.

Lag die gesamte Unternehmensverschuldung noch 1960 bei knapp 241 Mrd. DM, wurde diese bis 1990 mit fast 3000 Mrd. DM mehr als verzwölffacht und erreichte 1998 mit 5600 Mrd. DM einen dreiundzwanzigfach so hohen Stand, wie noch 1960. Demgegenüber konnte sich die Wirtschaftsleistung, also das Bruttosozialprodukt, von 1960 bis 1998 gerade um das 12 fache (nominal) ansteigen. Die Verschuldung der Wirtschaft steigt also beinahe mehr als doppelt so schnell, wie die Produktivität. Zwangsläufig geraten damit die Firmen in einen immer größer werdenden Engpaß: In einem Marktumfeld, in dem sich der Umsatz nicht weiter erhöhen läßt und der auch Preissteigerungen durch den härter werdenden Wettbewerb nicht zuläßt, werden die Zinskosten (Kapitalkosten) zunehmend drückender. Immer größere Anteile des Unternehmergewinns müssen nun für die Bedienung der Schulden verwendet werden. An allen Ecken und Enden wird es damit, vor allem für kleine und mittlere Betriebe, eng und vielen geht buchstäblich die Luft aus und sie müssen Konkurs anmelden. Wie sehr die ganze Welt in der Misere steckt, zeigt eine Studie der Thomson Financial Securities Data Agency aus den USA, welche ermittelte, daß weltweit allein 1999 die Kredite um 140 Prozent angestiegen wären. Da das Wirtschaftswachstum weltweit nur wenige Prozentpunkte gewachsen ist, kann man sich ausmalen, welche enorme Zinsbelastung aus diesen Schulden wachsen muß.

Doch warum verschulden sich die Unternehmen überhaupt so stark?
Das wird an einer typischen fiktiven Unternehmergeschichte deutlich: Zur Zeit des Wirtschaftswunders in den sechziger Jahren spielte die Kreditaufnahme für Betriebe keine große Rolle. Ein Markt, welcher gar nicht genug Produkte nachfragen konnte erlaubte eine ständige Produktionsausweitung. Dafür aufgenommene Kredite und die daraus entstehenden Kapitalkosten konnten erfolgreich durch höheren Produktabsatz wettgemacht werden. Die Situation änderte sich erstmals, als Anfang der siebziger Jahre der Markt zunehmend Sättigungserscheinungen zeigte und der Absatz nicht mehr so schnell zunahm, wie es sich der Unternehmer gewünscht hätte. Nur zehn Jahre später verstärkte sich dieser Trend und der einstmals stolze Firmeninhaber bekam es erstmals mit Existenznot zu tun, weil die Kapitalkosten aus früheren Krediten immer noch bedient sein wollten, während der Umsatz und erst recht der Gewinn stagnierten oder zurückgingen. Was also tat der Unternehmer? Er ging zu seiner Hausbank und besorgte sich einen neuen Kredit, mit dem er seine Kapitalkosten erst einmal bezahlte und der es ihm erlaubte, seine Produktionsanlagen von Grund auf zu modernisieren um damit mehr Waren zu erzeugen. Da inzwischen die ersten, noch milden Rezessionsphasen vorbei waren, schien es, als ginge die Rechnung auf und die immer mehr steigenden Kapitalkosten ließen sich so reduzieren. Doch schon die nächste Rezession zeigte, daß es sich um eine Milchmädchenrechnung handelte: Der jetzt noch größere Schuldenberg verlangte nach Schuldendiensten, die der Firmeninhaber nur dann aufbringen konnte, indem er neue Kredite aufnahm. Anfang der neunziger Jahre, nach dem Strohfeuer Einigungs-Boom, wurde es ganz deutlich: Die goldenen Jahre waren vorbei. Da Mitbewerber eine ähnliche schuldenfinanzierte Strategie eingeschlagen hatten und mit modernisierten Produktionsanlagen immer mehr erzeugen konnten, kam es zunehmend zu einem immer gnadenloseren Wettbewerb. Um den eigenen Marktanteil halten zu können, war der Unternehmer immer mehr dazu gezwungen, seine Produkte zu Schleuderpreisen, manchmal sogar unter dem Herstellungspreis, zu verkaufen. Außerdem mußte er seinen Personalbestand ständig verkleinern, da die Lohnseite noch den einzigen Einsparbereich darstellte. Mit den Preissenkungen versuchte er, schwächere Mitbewerber aus dem Markt und damit in den Bankrott zu treiben. Nach dem Scheinboom im Jahr 2000 schließlich wurde der Unternehmer selber von einem großen Konzern in die Knie gezwungen, die Kapitalkosten waren nicht mehr zu bezahlen, der Konkurs die logische Folge.

Hätte der Unternehmer etwas anders machen können?
Eigentlich nicht, da er von Anfang an auf verzinste Kredite angewiesen war, sonst hätte er seinen Betrieb gar nicht erst aufbauen können. Später war er schon so im Schuldensystem gefangen, daß er seine Firma nur durch immer größerer Neuverschuldung zur Bezahlung der Kapitalkosten über Wasser halten konnte. Wie wir später noch sehen werden, kann die Schuld an der Misere nicht einzelnen gegeben werden, sondern liegt im System begründet, welches solch eine Entwicklung erzwingt. Dabei spielt es übrigens volkswirtschaftlich betrachtet gar keine Rolle, ob es zur Zeit Unternehmen gibt, welche gerade mehr Gewinne erwirtschaften, als Kapitalkosten bezahlt werden müssen. Wenn sich die Schulden doppelt so schnell entwickeln, als die Produktivität, dann muß es mit zunehmender Zeit einer größer werdenden Anzahl an Firmen an den Kragen gehen. Dabei setzt die Pleitewelle zuerst bei den Betrieben ein, welche nur eine geringe Eigenkapitalquote haben, die also überwiegend mit geliehenem Geld arbeiten, wie beispielsweise die Bauindustrie. Später ergreift die Bankrottwelle dann auch Unternehmen, welche mit weniger Schuldenkapital arbeiten. Der Wirtschaftsauskunft Creditreform nach sind ein Drittel der Mittelstandsbetriebe pleitegefährdet. Hauptursache sei eine zu dünne Eigenkapitaldecke. Untersuchungen der Bundesbank hatten ergeben, daß von 1985 bis 1990 82% der Konkursfälle eine Eigenkapitalquote von unter 10% (Fremdkapitalquote über 90%) gehabt haben. Über alle Unternehmensbranchen gerechnet, beträgt heute die Fremdkapitalquote etwa 82 Prozent. Dabei gibt es jedoch Branchen, wie beispielsweise den Einzelhandel oder die Bauwirtschaft, welche nur zu wenigen Prozent überhaupt Eigenmittel investiert haben. Das bedeutet, daß diesen Betrieben schon bei kleineren Konjunktureinbrüchen oder Zinserhöhungen sofort die Luft wegbleibt und eine Pleitewelle einsetzt. Auch die Transportunternehmen fallen in diese Kategorie und die Kapitaldecke ist so gering, daß es schon ausreicht, wenn der Treibstoffpreis nur etwas anzieht, dadurch viele Betriebe die hohen Kapitalkosten nicht mehr tragen können und bankrott gehen.

Wie sehr die Unternehmen durch die Kapitalkosten in die Klemme kommen, dafür ist die Deutsche Bahn ein gutes Beispiel: Trotz aller Einsparungen läßt sich mit den noch rentablen ICE-Neubaustrecken noch nicht einmal der Zinsendienst sicherstellen. Dabei verlor die Bahn in der Vergangenheit durch die "Reformen" ständig an Gewicht. So wurden seit 1949 über 12000 km Bahnstrecke abgebaut. Der Anteil des Personenverkehrs sank von 16 Prozent im Jahr 1960 auf neun Prozent im Jahr 1999, der des Güterverkehrs sogar von 38,6 Prozent auf nur noch 7,2 Prozent. Es geht den Unternehmen heute zunehmend nur noch darum, die steigenden Kapitalkosten tragen zu können. Nur deshalb reduziert die Bahn ihr Streckennetz, da sie nur dort und beim Personal überhaupt einsparen kann. Oftmals fressen heute die Zinslasten den kompletten Gewinn auf. Beim Tunnel zwischen England und Frankreich beispielsweise frißt beispielsweise die Zinslast, trotz ständig steigender Nutzung des Tunnels, die gesamten Gewinne aus dem Betrieb.
Da jedoch der Staat in der gleichen Misere wie die Unternehmen steckt, versucht er zunehmend, seine Schulden auf die freie Wirtschaft zu übertragen.

Die Lüge vom Sparen -
Warum die Verschuldung in unserem System immer steigen muß

Als Antwort auf die wachsende Schuldenproblematik, wurde vor allem im Lauf der neunziger Jahre immer mehr das "Sparen" in den Mittelpunkt gerückt. Ausgelöst wurde diese Kampagne unter anderem durch den Maastrichter Vertrag zur Einführung von Euro-Einheitsgeld in Europa. Um den Beitritt zu dieser Gemeinschaftswährung erreichen zu können, wurden jedem Land Stabilitätskriterien auferlegt, welcher verlangten, daß unter anderem die Neuverschuldung unter 3 Prozent und die Gesamtverschuldung unter 60 Prozent des Bruttosozialproduktes zu liegen habe.

Sparen - das politische Einheitsrezept

Um diese Hürden erreichen zu können, wurden neben buchhalterischen Tricks, dem Volk mehrere "Sparpakete" verordnet. So wurde beispielsweise von der damaligen Unionsregierung gefordert, daß Bund und Länder 50 Milliarden D-Mark einzusparen hätten. Diese Maßnahmen lösten schon damals in der Bevölkerung breite Ablehnung aus, was sich in Großdemonstrationen des Gewerkschaftsbundes und der damaligen SPD Opposition äußerte. Der damalige hessische Ministerpräsident Eichel bekräftigte den Widerstand der SPD gegen die geplanten Sozialsparmaßnahmen im Bundesrat. Wie widersprüchlich allerdings die Aussagen der Politiker waren, wurde deutlich, als Eichel dann 1999 selbst Finanzminister wurde und er sich, wie vormals die Unionsparteien, für Sparmaßnahmen einsetzte, welche er ehemals aus wahltaktischen Gründen ablehnte. Schon im Mai 1999 wurde deutlich, daß der neue Finanzminister sich für radikale Sparmaßnahmen einsetzen würde. Eichel unterstrich, daß auch im Sozialbereich Kürzungen unvermeidbar seien. Auch waren damals deutliche Steuererhöhungen im Gespräch. Im Herbst 1999 kam es dann wieder zu großen Demonstrationen gegen das Sparpaket. Neben Protesten der CDU-Opposition kritisierte der Präsident des deutschen Steuerberaterverbandes Jürgen Pinne die Maßnahmen und bezeichnete die gesamte Steuerpolitik als "gesetzgebungstechnische Flickschusterei" und rief zum "passiven Steuererklärungstreik" auf. Eichel erklärte daraufhin, daß es zum Sparen keine Alternative gebe und wenn die Zustimmung zu dem einen oder anderen Sparvorhaben ausbleiben würde, andere Sparmaßnahmen mit gleichem Volumen stattfinden würden. Zur gleichen Zeit erläuterte der Finanzminister seine Vision, daß ab 2004 keine neuen Staatsschulden mehr gemacht würden und legte dazu ein Stabilitätsprogramm vor. Danach sollte das Staatsdefizit innerhalb dreier Jahre auf Null sinken. Zudem solle der Schuldenstand im Jahr 2004 nur noch 54,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) betragen. Bis zum Jahr 2006 wurde sogar von Überschüssen im Gesamthaushalt geträumt, weil die rasante Entschuldung durch Ausgabendisziplin und die Steuerreform dies ermöglichen würden. Im Sommer 2000 forderte die Bundesbank die Bundesregierung zu einem noch strikteren Sparkurs auf. Angesichts der zu erwartenden Einnahmeausfälle wegen der Steuerreform sollen sowohl die Erträge aus dem UMTS Verkauf, als auch Zinsersparnisse zur Schuldentilgung verwendet werden. In die gleiche Richtung ging der Rechnungshof in seinem Jahresbericht 2000 und äußerte scharfe Kritik an überflüssigen Ausgaben und Fehlplanungen Es wurde darauf verwiesen, daß der Bund jedes Jahr rund zehn Mrd. DM sparen könnte. Vor allem mangelhafte Konzepte bei der Nutzung von Großinvestitionen sowie zu niedrige Gebühren und Abgaben würden den Staatshaushalt belasten. Es wurde behauptet, daß bei einer Umsetzung der Vorschläge des Rechnungshofes bereits kurzfristig der Staatshaushalt um mehrere hundert Mio. DM zu entlasten wäre. Alle politischen und wirtschaftlichen Institutionen scheinen sich also einig zu sein, daß man durch "Sparen" das Schuldenproblem lösen könne. Dabei solle sich der Spareffekt sogar weltweit durchsetzen.
Auch die amerikanische Privatbank J.P.Morgan prognostizierte, daß schon im Jahr 2001 die Mehrheit der entwickelten Staaten einen Haushaltsüberschuß erzielen werde. Für Norwegen wurden ganze acht Prozent des Bruttoinlandsproduktes vorhergesagt. Die USA sollten bis zum Jahr 2013 sogar völlig schuldenfrei sein. In den Niederlanden plädierte auch der Fraktionsvorsitzende der Arbeiterpartei (PvdA), Ad Melkert, für einen vollständigen Abbau der Staatsschuld von umgerechnet etwa 450 Milliarden DM innerhalb von 25 Jahren. Man könnte angesichts dieser Aussagen fast schon meinen, das Schuldenproblem sei so gut wie erledigt. Endlich hätten also die Politiker erkannt, daß wir dem Staatsbankrott zugehen und steuerten nun entgegen, wobei die Misere schnell gelöst sein werde. Doch wie wir bereits bei den Staatsschulden gesehen haben, denken Politiker meist nicht lösungsorientiert, sondern versuchen lieber anderen den Schwarzen Peter zuzuschieben. Aber nicht nur die Politik, sondern auch die Wirtschaft will sich der Schuldenfalle durch drakonische Sparprogramme entziehen.

Der Verschuldungszwang

Wo liegt nun der Fehler in dem oberflächlich gesehen so einleuchtenden Argument, durch Sparen wirklich Schulden tilgen zu können?
...

Mit der gleichen Argumentation wie das RWI wiederholte auch Bundesfinanzminister Eichel auf dem Forum "Verantwortung für die Zukunft" der Dresdner Bank im März 2001 stereotyp seine Behauptung, die Steuersätze im zweijährigen Rhythmus senken und den Bundeshaushalt durch strikte Ausgabenbegrenzung bis zum Jahr 2006 ausgleichen zu wollen. Ab dem Jahr 2009 solle dann der Bundeshaushalt einen Überschuß von einem Prozent des Bruttoinlandsproduktes aufweisen. Den Haken bei dieser schönen Rechnung nannte Eichel auch, als er als Voraussetzung ein Wirtschaftswachstum von vier Prozent nannte. Um dies zu erreichen fördere die Bundesregierung ein starkes Wirtschaftswachstum mit der Steuerpolitik und Verbesserung der Qualität der Staatsausgaben. Wie allerdings langfristig ein Wachstum von vier Prozent durchgehalten werden soll, konnte der Finanzminister nicht erklären. Eine solche Wachstumsrate würde bedeuten, daß sich die Produktion alle 18 Jahre verdoppeln soll und niemand kann erklären, wer denn die Produkte eigentlich kaufen soll, welche dann den Markt überschwemmen, von den entstehenden Umweltproblemen einmal ganz abgesehen. Überhaupt sollen gerade die Löhne und damit die Kaufkraft der Bevölkerung keinesfalls steigen. Es soll also mehr produziert werden, ohne daß klar wäre, wer die Produkte kaufen soll und mit welchem Geld?
Bei näherer Betrachtung wird es klar ersichtlich, daß die Vorbedingungen für ein Wegsparen der Schuld beträchtlich sind. Einmal wird ein hohes Wirtschaftswachstum gefordert, welches sich realistisch gar nicht über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten läßt, zum anderen werden die Unternehmen und Arbeitnehmer, welche dann unter die Räder kommen, ganz vergessen. Im Extremfall würde das Sparen dahin führen, daß das Land komplett verarmt, was am Beispiel Rumänien in den achtziger Jahren deutlich wurde. Rumänien war das einzige Land der Welt, welches es tatsächlich geschafft hatte durch drakonische Sparmaßnahmen seine Auslandsschuld ganz abzubauen. Durch diese Sparmaßnahmen konnten allerdings weder weitere Investitionen, noch ein befriedigender Lebensstandard der Bevölkerung aufrechterhalten werden. Die entstandene Armut führte nach einigen Jahren zu einer blutigen Revolution. Es wird also ganz deutlich, daß Sparmaßnahmen nicht die Lösung des Problems sein können, weil ohne Verschuldung im heutigen System nicht investiert wird. Doch warum wirkt diese scheinbare Problemlösungsstrategie für viele Politiker und auch die breite Bevölkerung so einleuchtend und damit attraktiv?

Dies kommt daher, weil ganz vergessen wird, daß eine komplette Volkswirtschaft nicht mit einem Einzelhaushalt verglichen werden kann. Weil beispielsweise ein überschuldeter Haushalt oder ein verschuldetes Einzelunternehmen durch Sparmaßnahmen tatsächlich seine Schulden tilgen kann, wird dieser Vorgang fälschlicherweise auf die ganze Volkswirtschaft übertragen. Es wird behauptet, daß die Schulden im ganzen durch Sparpakete abbaubar wären.

Der Fehler in dieser Betrachtung liegt darin, daß die den Schulden gegenüberstehenden Geldvermögen ganz vergessen werden. Damit überhaupt Kredite vergeben werden können, muß erst jemand bereit sein, sein Geld dafür zur Verfügung zu stellen. Genauso ist es beim Staat: Erst wenn jemand bereit ist, beispielsweise Schuldpapiere des Staates gegen Geld anzunehmen, kann sich dieser überhaupt verschulden. Es muß also immer zwei Seiten geben: Schuldner und Gläubiger. Während der Gläubiger eine Geldforderung gegen den Schuldner hat (also ein Geldvermögen) hat dieser gegenüber dem Kreditgeber eine Schuld. Die Beträge der Schulden und Geldvermögen müssen also immer gleich groß sein und wenn eine Größe zunimmt, muß auch die andere ansteigen. Im Umkehrschluß bedeutet das allerdings, daß Schulden nur dann wirklich reduziert werden können, wenn im gleichen Atemzug auch Geldvermögen vernichtet werden. Wenn also der Staat seine Verpflichtungen wirklich reduzieren würde, dann müßten gleichzeitig beispielsweise die Bundesschatzbriefe von Herrn Meier wertlos werden - das allein wäre wirkliche Schuldenreduzierung. Alles andere ist nur ein Verlagern des Problems von einen auf den anderen Sektor.
Um also das Schuldenproblem zu verstehen, muß man sich erst einmal die Entwicklung der Geldvermögen ansehen, um zu erkennen, wieviel Kapital überhaupt verliehen werden kann, und wie wir später noch sehen werden, sogar verliehen werden muß.

Abb. 15: Gesamte und private Geldvermögen in Deutschland

Wie in Abb. 15 zu sehen ist, explodieren die gesamten Geldvermögen (Geldvermögen von Staat, Unternehmen und privaten Haushalten zusammengenommen). Wie zu erkennen ist, machen die privaten Geldvermögen den größten Anteil der gesamten Kapitalvermögen aus - das Geld ist also nicht in der Hand von Institutionen, sondern im Besitz von Privatleuten. Schon beim Betrachten dieser Entwicklung drängt sich ein kausaler Zusammenhang zwischen Geldvermögen und Verschuldung auf, der in Abb. 16 noch deutlicher wird. Beide Größen wachsen, wie ersichtlich um annähernd gleiche Beträge jährlich und das mit exponentiell steigender Geschwindigkeit.

Abb. 16: Gesamte Geldvermögen und gesamte Schulden in Deutschland

An sich wären Schulden und gleich hohe Geldvermögen kein Problem, würden daraus nicht Zinslasten für den Schuldner und entsprechende Zinsgewinne für den Geldverleiher resultieren. Wenn die Beträge darüberhinaus nicht immer schneller anwachsen, sondern auf einem stabilen Niveau bleiben würden, dann wäre die Entwicklung ebenfalls nicht besorgniserregend. Das Grundproblem liegt also darin, daß die Geldvermögen und Schulden explodieren. Warum tun sie das?

Der Krieg - die Schuldenabrechnung

Tatsächlich lassen sich deutliche Parallelen zwischen dem damaligen Zusammenbruch des Schuldensystems und dem später folgenden Weltkrieg zeigen: Einmal wurde durch die Weltwirtschaftskrise vor allem in Deutschland eine gewaltige Massenarbeitslosigkeit erzeugt, zum anderen war das politische System, nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg und den hohen Reparationsforderungen der Siegermächte, äußerst instabil.
Die Bevölkerung verlor bald jede Hoffnung auf eine Besserung der immer schlimmer werdenden Lage, was den radikalen Parteien, wie der NSDAP, aber auch den Kommunisten deutlichen Zuwachs bescherte. Sieht man sich den Stimmenerfolg der Nationalsozialisten an, so ist eine deutliche Parallele zur Entwicklung der Arbeitslosigkeit zu erkennen. (Abb. 26)

Abb. 26: Entwicklung der Arbeitslosenzahl und der Stimmen für die NSDAP

Daneben war die wirtschaftliche Entwicklung in den USA ähnlich: Die Wirtschaftsleistung sank drastisch und die politschen Entscheidungsträger konnten die Deflation nicht bekämpfen. (Abb. 27) Nach einer kurzfristigen Verbesserung der Lage, verschlimmerte sich die Entwicklung bis Ende der dreißiger Jahre wieder.

Abb. 27: Wirtschaftliche Entwicklung in den USA

Auffällig ist, daß die Wirtschaftskrise in den USA innerhalb weniger Monate endete: Im Jahr 1939 ging die Krise plötzlich in eine Hochkonjunktur über. Dies ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, daß schon vor dem eigentlichen Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, im September 1939, in den USA großangelegte Rüstungsprogramme wieder hochrentable Investitionsmöglichkeiten für das Kapital schufen, weshalb die deflationäre Abwärtsspirale durchbrochen wurde. Das würde allerdings im Umkehrschluß bedeuten daß die USA nur durch den Zweiten Weltkrieg und den dadurch geschaffenen Rüstungs-Konjunkturboom es überhaupt geschafft haben, aus der Krise wieder herauszukommen. In der Tat würden die Kriege der jüngsten Vergangenheit diese Annahme bestätigen: Oftmals wenn eine durch Schulden induzierte Wirtschaftskrise aufflammte, konnte diese durch einen Krieg, wie zuletzt den Golfkrieg 1991, abgewendet werden - Kriege werden also anscheinend im heutigen System als Konjunkturmotor gebraucht. Bedenklich stimmt hier, daß Anfang 2001, im Zuge einer aufkommenden Rezession in den USA, wieder kräftig in Rüstung investiert wurde. So wurde beispielsweise einmal vom US-Handelsministerium bekanntgegeben, daß es im März 2001 einen leichten Anstieg der Auftragseingänge gegeben hätte und deshalb das Schlimmste überstanden sei. Doch während überall die Auftragseingänge sanken, stiegen sie nur in einem Bereich: Die Aufträge für Kriegsschiffe und Panzer kletterten um 936 Prozent und für langlebige Militärgüter um fast 64 Prozent.

Tatsächlich kam es am 11.9.2001 zu Terroranschlägen in den USA aufgrund derer Amerika einen Feldzug gegen Afghanistan unternahm. Bald wurde dann noch angekündigt, fünf weitere Länder angreifen zu wollen. (Quelle: Financial Times Deutschland, 10.10.2001)
Durch Ausrufung des "Bündnisfalles" wurde alle Nato-Länder in die Pflicht genommen, den USA Hilfe im Krieg zu leisten. Damit wurden viele Länder in den Konflikt involviert.
Doch schon bald nach den Anschlägen kamen in den Medien einige Ungereimtheiten auf:: So wurde der Militärschlag unternommen, obwohl für die Urheberschaft des verdächtigten Osama bin Laden keine Beweise vorgelegt wurden. (Quelle: Financial Times Deutschland, 2.10.2001)
Auch der Politikwissenschaftler an der Bundeswehr-Hochschule in Hamburg, Prof. Pradetto erklärte, daß bin Laden vielleicht ein Bestandteil des Terrors wäre, keinesfalls jedoch ein bedeutender. (Quelle: Die Welt, 26.9.2001)
Bemerkenswerterweise planten die US-Militärs anscheinend sogar schon im Jahre 1962 Anschläge auf das eigene Land, um die Kriegsstimmung in den USA anzuheizen. (Quelle: Neue Solidarität, 10.10.2001) Da dieser Krieg gegen Afghanistan gut in das Szenario von Wirtschaftskrise und Krieg als Wirtschaftsmotor paßt, äußerte der amerikanische Präsidentschaftskandidat Lydon la Rouche schon die Vermutung, daß die Anschläge aus den USA heraus geführt wurden, um die entsprechende Kriegsstimmung im Volk zu erzeugen. (Quelle: Neue Solidarität, 3.10.2001)
Wer auch immer die wirklichen Hintermänner des Anschlages und des Krieges sind, ist sicher, daß dadurch die Wahrscheinlichkeit eines weltweiten Schuldenkrieges steigt.


"Das Wohlbefinden und der Wohlstand des einzelnen Menschen, das Glück der Volksgemeinschaft, die Zufriedenheit des ganzen Volkes und der Friede der Welt sind hauptsächlich, wenn nicht gänzlich und allein, ein Geldproblem."

Vincent Vickers, Leiter der Bank von England, 1910-1919

Ein neuer Schuldenkrieg?

Wenn ein zusammenstürzendes Schuldensystem nur durch einen Krieg wieder stabilisiert werden kann, dann bedeutet dies im Umkehrschluß, daß wir parallel zu den wachsenden Schulden- und Zinslasten auch kriegerischeren Zeiten entgegengehen. Überhaupt führen die durch den Schuldendienst immer drückender werdenden Kapitalkosten oftmals dazu, daß die Bevölkerung zur Gewalt greift. Dies war beispielsweise in der französischen Revolution so, als Frankreich 70 Prozent seiner Steuereinnahmen nur für den Schuldendienst verwenden mußte, wie auch im Ersten Weltkrieg, als allein Deutschland nur für die Eisenbahnanleihen mehr Schuldendienst leisten mußte, als das ganze hochgerüstete Heer beanspruchte.

Dabei sollte nicht vergessen werden, daß für einen überschuldeten Angreifer der militärische Konflikt oftmals den einzigen Weg darstellt, seine Schulden, durch Ausschaltung des Gläubigers zu "tilgen". Ein Land, welches immer größere Anteile seines Etats nur für den Schuldendienst aufwenden muß, die Schulden schon mehrmals abbezahlt hat und dessen Schuldenberg trotzdem immer weiter wächst, erkennt schnell, daß es keine Chance hat. Wie wir schon bei der Schuldenentwicklung der Dritten Welt gesehen haben, sind heute eine ganze Reihe von Ländern bereits in dieser hoffnungslosen Lage gefangen. Doch kommt jeder Staat, dessen Geldsystem auf Zins basiert, zwangsläufig früher oder später in die gleiche Lage, allein weil sich das Wirtschaftswachstum nicht in dem Maße steigern läßt, als die Schulden durch Zinseszins explodieren. Ein Abbau der Schulden, also eine Tilgung ist ohnehin nicht möglich, weil Schulden zwar hin und hergeschoben, jedoch niemals aufgelöst werden können, ohne daß die dahinterstehenden Geldvermögen ebenfalls entwertet werden. Die Gefahr, daß die alten Rezepte zur gewaltsamen "Schuldentilgung" wieder angewandt werden, ist heute sehr groß. Vergessen wird dabei häufig, daß nicht nur die relativ machtlosen Entwicklungsländer, sondern auch hochgerüstete Atommächte sich in einer Schuldenkrise befinden.

Zusammenfassung und Ausblick

Wie immer deutlicher wird, läuft unser auf Schulden aufgebautes System auf einen Endpunkt zu. Während in der öffentlichen Diskussion fast nur von der Staatsverschuldung die Rede ist, wird die Kreditaufnahme der Privathaushalte nur am Rande und die Unternehmensschulden gar nicht behandelt - obwohl diese bei weitem am größten sind.

Schon der Umgang mit unseren Steuermitteln zeigt deutlich, daß der Begriff des "Sparens" von den Entscheidungsträgern sehr einseitig gesehen wird. Während die Bevölkerung dazu angehalten wird, "den Gürtel enger zu schnallen", genehmigen sich privilegierte Kreise große Summen öffentlicher Gelder, um davon persönlich zu profitieren. Als Beispiel braucht hier nur die heutige sogenannte "Forschungsförderung" genannt werden, durch die große Milliardensummen in meist unsinnigen Projekten verschleudert werden. Seltsamerweise wird gerade von den Personenkreisen am meisten zum "Sparen" aufgerufen, welche selber zu den größten Verschwendern gehören.

Doch ist der Komplex des Schuldenproblems weitaus vielschichtiger, als daß man ihn auf reine Verschwendung reduzieren könnte. Im Gegenteil: Je mehr sich die Medien auf die Verschwendung konzentrieren, umso weniger wird erkannt, daß unser System einen Verschuldungszwang verursacht. Während kein Unternehmen oder eine Einzelperson dazu gezwungen wird, Kredite aufzunehmen, muß die Verschuldung in der ganzen Volkswirtschaft ständig ansteigen - anderenfalls bricht das System zusammen.
Der Motor dieser fatalen Entwicklung liegt im heutigen Zinsmechanismus: Weil die angelegten Geldvermögen jährlich um den Zinssatz wachsen, muß dieser Zinsanteil wieder verliehen werden. Geschähe dies nicht, so hätte dies sofort deflationäre Tendenzen und eine schwere Wirtschaftskrise zur Folge. Die Kredite müssen also jedes Jahr um den dazugekommenen Zinsanteil ausgeweitet werden. Das trügerische an diesem System ist, daß es anfangs nur langsam, kaum merklich abläuft und am Ende geradezu explodiert.

Mit höheren Schulden gehen immer höhere Kapitalkosten einher. Diese erwürgen die Unternehmen, was diese dazu zwingt, Personal zu entlassen und alle unproduktiven Ausgaben, wie beispielsweise für den Umweltschutz, zu streichen. Die Volkswirtschaft als ganzes kommt dabei immer mehr in die Zwickmühle. Die gesamten Schulden wachsen heute mehr als 2 1/2 mal so schnell, wie das Bruttosozialprodukt. Hier ist es kein Wunder, daß an allen Ecken und Enden das Geld fehlt und alles nur noch darum geht, den Schuldendienst zu leisten.

In anderen Ländern sieht es kaum besser aus: Die Entwicklungsländer beispielsweise haben ihre aufgenommenen Kredite schon mehrfach abbezahlt und sind heute, trotz Schuldenstreichung, höher verschuldet als je zuvor. Auch die immer wieder vorgeschobenen "Musterländer", sind alles andere als Vorbilder. Im Gegenteil: In den USA beispielsweise wurde nur die Staatsverschuldung auf die Privathaushalte und die Unternehmen verschoben. Die Gesamtverschuldung steigt dort annähernd viermal schneller, als das Bruttosozialprodukt.

Mit den steigenden Zinslasten für die Bevölkerung sind entsprechende Zinserträge für eine kleine Schicht von Superreichen verbunden. Aus diesem Grund geht die Schere zwischen arm und reich überall auf der Welt immer weiter auseinander. Spannungen, Unruhen und letztlich Kriege sind die logischen Folgen davon.
Eine weltweite, gewaltige Schuldenkrise muß die Folge dieses explodierenden Systems sein. Ein Beispiel dafür war die Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre und der folgende Zweite Weltkrieg. Da heute die Überschuldung ungleich größer ist, muß auch der Einbruch und die Folgen daraus alles dagewesene übertreffen.

Unbedingt muß der Leser aus dieser Erkenntnis praktische Schlüsse ziehen und Schulden auf jeden Fall meiden. In der Geldanlage geht die schnelle Verfügbarkeit des Vermögens auf jeden Fall vor der Rendite.

Das Schuldenproblem wäre nur dadurch zu lösen, indem der Störfaktor Zins aus der Wirtschaft eliminiert wird. Hierzu gibt es interessante Beispiele aus der Weltwirtschaftskrise, durch welche tatsächlich eine funktionierende, stabile Ordnung geschaffen werden konnte.

Weil das Schuldensystem schon beinahe wieder an seinem Endpunkt angekommen ist und die Verantwortlichen keinerlei Anzeichen dafür geben, irgendwas entscheidendes ändern zu wollen, wird die kommende Schuldenkrise wohl unvermeidbar sein.
Hinterher, so ist zu hoffen, können sich neue, unverbrauchte Erkenntnisse gegen falsche Lehrmeinunen endlich durchsetzen.


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